Mal vor weg: Ich finde warten nicht schön. Ich warte nicht gern. Und wenn ich zu lange warten muss, werde ich ungeduldig, nervös und oft ganz unleidlich. Aber als gelernter DDR-Bürger und Eisenbahner kenne ich mich eigentlich mit dem Warten ganz gut aus.

Mir ist aufgefallen, dass man daran, WIE jemand wartet, auch ein bisschen erkennen kann, auf WEN jemand wartet. Da gibt es einen Unterschied, ob jemand auf den Zug wartet, weil er zur Arbeit muss oder in den Urlaub fährt. Man merkt, ob der junge Mann auf einen Geschäftspartner wartet oder auf seine große Liebe. Woran? Am Blick, an der Atmosphäre, die Menschen verströmen und auch an dem, was sie in der Hand halten: Ein Strauß roter Rosen lässt vermuten, dass da jemand kommt, der sehnsüchtig erwartet wird. Hingegen lässt das Schild „Dr. Müller, Berlin“ eher auf die Pflicht schließen, jemanden vom Bahnhof abzuholen.

Wenn ich diese Beobachtungen mit dem Stichwort „Advent“ zusammenbringe, bedeutet das: Advent heißt Ankunft – also kommt jemand. Wenn jemand kommt, dann warten welche. Und wenn welche warten, dann kann man bei ihnen entdecken auf wen sie warten. Oder?

„Denn wir warten darauf, dass sich unsere wunderbare Hoffnung erfüllt: dass unser großer Gott und Retter Jesus Christus in seiner ganzen Herrlichkeit erscheinen wird.“ (Tit 2,13 HfA) Jesus kommt – der Retter, der Friedefürst! Das kann (und muss!) sich doch sehen lassen, dass DER zu uns unterwegs ist, der Frieden macht! Ich wünsche mir so sehr, dass Menschen um uns herum etwas von dem Frieden spüren können, der uns regiert – an dem, wie wir miteinander umgehen und wie wir aufeinander zugehen. Vielleicht wäre das gerade in diesem Jahr mit all seinen Fragen und in allem Durcheinander die Botschaft, die Kinder Gottes dieser Welt bringen können: Wir warten auf den Friedensbringer und bei uns kann man etwas von diesem Frieden erleben. Weil wir Frieden mit Gott haben (Röm 5,1), könnte unsere  Adventsaktion dieses Jahr „Friedensstifter“ (Mt 5,9) heißen. Das ist genau so viel Arbeit wie Plätzchen backen und Sterne falten. Aber es macht viel besser erkennbar, auf wen wir warten.

 

In diesem Sinn wünscht eine gesegnete Adventszeit euer

 

Reinhard Steeger

Leipzig

Vorsitzender des Sächsischen Gemeinschaftsverbandes

 

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