Aus dem Leben erzählt

In loser Folge lassen wir ehren- und hauptamtliche Mitarbeiter aus dem Sächsischen Gemeinschaftsverband zu Wort kommen. Heute ist Bernd Planitzer an der Reihe.

 

Geboren 1955 wuchs ich in einer durchschnittlichen bürgerlichen evangelischen Familie auf. Mit 17 erlebte ich eine klare Bekehrung zu Jesus Christus bei einer Jugendwoche mit Werner Morgenstern in einer Crimmitschauer Kirche.

Ich weiß noch heute, wie ich an jenem Abend eine kleine Bibel suchte und auch fand, die mir Jahre vorher ein Schulkamerad geschenkt hatte. Ich nahm ihre Worte auf „wie ein trockener Schwamm das Wasser“. Ich bin Gott dankbar, dass ich nie Probleme hatte mit der Bibel. Das prägte nun mein Leben und gab eine ganz neue Ausrichtung.

Nach und nach zeigte mir der Herr, welche Dinge nicht mehr zu einem Leben mit IHM passten und ich erlebte Seine Führung, aber das ging nicht geradlinig. Ich stand in der Ausbildung „Montageschlosser mit Abitur“. In Karl-Marx-Stadt hatte ich einen Studienplatz für Maschinenbau. Aber am Reißbrett zu stehen und Maschinen zu konstruieren, hatte ich kein Interesse.

Es begann die Armeezeit. In dieser Zeit reifte in mir der Entschluss, mich bei der TU Dresden für Forstwirtschaft zu bewerben und wurde angenommen. Als ich aber 4 Wochen dort war, wusste ich, dass dort nicht mein Platz ist. Ich begann die Arbeit als „Holzmacher“ im Werdauer Waldgebiet. Jetzt hatte ich richtig Zeit, alles „mitzunehmen“, was es an christlicher Jugendarbeit gab: Rüstzeiten, Blankenburger Konferenz, Mitarbeit im Werdauer Jugendkreis und erste Kurzverkündigungen bei Gemeinschaftsstunden. Nach und nach wurden mir Wald und Forst immer weniger wichtig und das Leben mit und der Dienst für Jesus immer mehr. Das Heil, das ER mit geschenkt hatte, mussten auch andere haben.

Ich schrieb an Uwe Holmer, den damaligen Direktor der Bibelschule Falkenberg, einen sehr naiven Brief: „Ich habe gehört, bei ihnen finden Kurse zum Kennenlernen der Bibel statt.“ Er schrieb mir zurück: „Wir sind eigentlich eine Predigerausbildung, aber schicken sie uns mal ihre Unterlagen.“ So kam ich 1978 nach Falkenberg. Doch schon im Dezember kam der Ruf in den vollzeitlichen Dienst durch das Bibelwort aus 2 Tim 4,1-5. Zum Kurzpraktikum kam ich in den Zwickauer Bezirk. Dort wurde der Ruf in den Dienst noch einmal durch Brüder bestätigt. Beides – das konkrete Wort Gottes und den Rat der Geschwister – sehe ich als den Ruf Gottes an.

Im Falkenberger Jugendkreis lernte ich meine spätere Frau Irene kennen. Wir heirateten; unsere erste Dienststelle war ab 1981 Döbeln. Dort gingen die Probleme richtig los. Wenn ich nicht diesen klaren Ruf des Herrn gehabt hätte, dann hätte ich vielleicht aufgegeben: Es gab keine Wohnung, obwohl meine Frau unser 2. Kind erwartete. Dann bekam ich eine ansteckende Gelbsucht und war 3 Monate krank. Wir wohnten bei meinen Eltern in Werdau. Doch inzwischen hatte Gott eingegriffen. Wir bekamen eine halbe Wohnung zusammen mit einem alten Ehepaar; hatten Küche, Schlafzimmer, Wohnzimmer, das gleichzeitig Arbeitszimmer war und 2 kleine Kinder, Toilette auf halber Treppe. Später erfuhr ich, dass es vielen Brüdern betreffs Wohnung ähnlich oder sogar noch schlimmer erging. Bei uns verbesserte es sich innerhalb von 2 Jahren: ein kleines Arbeitszimmer und später die restlichen 3 Zimmer der Wohnung; endlich auch eine Badewanne.

Ich war dankbar für jeden kleinen Kreis, den es dort gab. Es machte mir aber zu schaffen, dass sich zwar bei Freizeiten Menschen bekehrten, aber nicht im Bezirk. 5 Jahre musste ich warten, bis ich es erleben durfte, dass gleich eine ganze Familie mit den Eltern der Frau gläubig wurden.

Ab Ende 1991 war der Dienstort Werdau. Das hing damals auch zusammen mit dem dortigen Predigerhaus. Wir waren inzwischen eine 7-köpfige Familie und ab 1993 zu Acht. Über 18 Jahre war ich Prediger und erlebte viel gute Bruderschaft. Doch schon im Döbelner Bezirk brannte mein Herz noch für etwas anderes. 1983 hielt ich das erste Mal eine Evangelisation. Ich wurde darauf angesprochen wurde, im Evangelisationsteam mitzuarbeiten. Nachdem 2009 der Leiter Gerald Lorenz schwer erkrankt war, sollte ich die Leitung übernehmen. Damit verbunden war die Anstellung als Evangelist. Nach viel Gebet und Nachdenken sagte ich zu. Ich wollte mich ganz hineinknien und – dafür bin ich der Verbandsleitung bis heute dankbar – die Stelle wurde auf 100 % aufgestockt.

Mein Berufungswort von 1978 aus 2 Tim 4,1-5 erfüllte sich wortwörtlich. Es war eine herausfordernde Zeit voller Spannungen. Immer wieder hat es mir Not gemacht, dass sich meist wenige bekehrten. Dennoch habe ich diesen Dienst mit ganz großer Freude getan und war überglücklich, wenn auch nur 1 Mensch gläubig wurde.

Seit Herbst 2019 bin ich im „Ruhestand“ und dankbar, dass mit Gunder Gräbner ein Nachfolger in diesem Dienst steht. Gern bin ich zu Verkündigungsdiensten unterwegs. Soli Deo Gloria!

 

Bernd Planitzer, Werdau

 

 

 

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Bildnachweis: reenablack | pixabay.de