Das ich den Anfang dieses Liedes von Fritz Woike als Überschrift gewählt habe hat, seine guten Gründe. Ich habe mich ein Leben lang nicht nur für unser Liedgut interessiert, sondern mich ernsthaft damit beschäftigt. Ich habe gern und viel gesungen und mir dabei die Texte eingeprägt, sodass ich sie mit 91 Jahren – dem Herrn sei Dank – noch jederzeit zur Verfügung habe. Wenn es gute Lieder sind in ihrer Aussagekraft und musikalisch wertvolle, dann haben sie in meinem Herzen ihren Platz gefunden. Das sind Choräle, Erweckungslieder und auch neuere Lieder.

 

Ein Schatz an Liedern …

Viele Dinge, die unser Leben ausfüllen sind vergänglich; sie kommen und gehen wieder. Die Lieder machen davon keine Ausnahme. Frances Crosby hat über 6000 Lieder gedichtet. Sieben von ihnen stehen in unserem Liederbuch. Als junge Menschen haben wir altes und neues Liedgut gleich gern gesungen. Ich kann mich nicht erinnern, dass wir Lieder, die in über 400 Jahren entstanden sind und in diesem Zeitraum von der Christenheit gesungen wurden, als verstaubt und überholt bezeichnet hätten.

Ich frage: „Was ist hier geschehen?“ Solch ein Urteil kann nur jemand fällen, der die Geschichte des evangelischen Kirchenliedes nicht kennt. Hat Ingeborg Bachmann doch recht, wenn in der Gnadauer Bibellese von ihr geschrieben steht: „Die Geschichte lehrt andauernd, sie findet nur keine Schüler“? Um dieser Wissenslücke etwas abzuhelfen, empfehle ich die beiden Bände von Beate und Winrich Scheffbuch „Den Kummer sich von Herzen singen“ und „Dennoch fröhlich singen.“ Im Vorwort des ersten Bandes ist zu lesen: „Die Kraft dieser Lieder liegt in dem, was sie sagen, in der erlebten Wahrheit des Evangeliums. Diese Meisterstücke des künstlerisch gestalteten Gotteswortes ermutigen uns in dem Kampf zu laufen, der uns verordnet ist und aufzusehen auf Jesus, den Anfänger und Vollender unseres Glaubens.“ Zum Beispiel: Als 1523 die beiden Augustinermönche Jakob Voes und Johann Esch wegen ihres standhaften Glaubens auf dem Marktplatz in Brüssel verbrannt wurden, dichtete Martin Luther „Ein neues Lied wir heben an, das walt Gott unser Herre“. Helmut Lamparter bezeichnet dies als Geburtsstunde des evangelischen Kirchenliedes.

 

… der das Leben reich macht

Nun möchte ich einiges von dem erzählen, was ich in den letzten Jahren erleben durfte. Unser großer Gott hat mir geholfen, meinen Weg zu finden und die Kraft, ihn zu gehen. Im Jahr 2018 hat Gott, der Herr über Leben und Tod, meine liebe Hanna zu sich in sein ewiges Reich geholt. So schmerzlich für mich diese Trennung ist, kann ich heute sagen: Es war für mich ein großes Geschenk und eine Freude, mit ihr in 63 Ehejahren unser Leben gestalten zu können. Dafür bin ich meinem Herrn und Heiland jeden Tag dankbar. Nun begann für mich eine regelrechte „Lehrzeit“. Ich habe noch viel gelernt und freue mich immer wieder, wenn etwas gelungen ist, was früher Hannas Bereich war.

Eine Lebensweisheit von Ludwig Güttler ist mir immer wieder eine Hilfe. Er wurde gefragt: „Wie ist es mit ihrem Privatleben, wo finden sie Freude und Entspannung?“ Darauf antwortete er. „Da bleibt keine Zeit – aber eine Aufgabe so anpacken, dass die Erfüllung derselben Freude und Entspannung bringt!“ Während viele Menschen in meinem Alter zunehmend einsamer werden, habe ich viele Freunde, die mich begleiten, stärken, trösten und erfreuen. Das sind die Lieder – ja ihr habt richtig gelesen – die Lieder, die ich von Jugend an kenne und immer wieder gern gesungen habe. Wenn ich am Morgen meine Bibel lese, erinnert mich der Text oftmals an ein Lied, welches mich durch den ganzen Tag begleitet, wie ein guter Freund. Solang ich noch singen konnte, habe ich Eph 5,19 und Kol 3,16 nie richtig verstehen können. Doch nun, wo es mit dem Singen nicht mehr geht wie früher, wurde es mir geschenkt, dem Herrn im Herzen zu singen und zu spielen. „Das tägliche Lob Gottes durch Musik muss nicht immer real ausgeübt werden, es genügt auch, im Herzen zu singen und zu spielen. Ein singendes und spielendes Herz ist ein frohes Herz.“(Matthias Steup).

Als ich vor einiger Zeit in den Apokryphen las, fand ich in Sir 30,16 ein Wort, welches mich nicht wieder losgelassen hat: „Kein Gut gleicht der Freude des Herzens.“ (Luther) oder „Kein Glück ist größer als ein fröhliches Herz.“ (Gute Nachricht) Diese beiden Worte schrieb ich auf ein Kärtchen und stellte dies auf den Schreibtisch. Als ich sie eines Tages betrachtete, kam mir in den Sinn: „Gott hat mir ein dankbares, zufriedenes und fröhliches Herz gegeben. Das ist wertvoller als alle Güter dieser Welt!“

 

„Du hast mein Leben so reich gemacht, dem heißen Sehnen Erfüllung gebracht.

All meine Sünden decktest du zu, an deinem Herzen fand ich die Ruh.

Du bist mein Führer, an deiner Hand geh ich so sicher durch Erdenland.

Du bist mein alles, bist Leben und Licht, Herr Jesus Christus, ich lass dich nicht.“

(Fritz Woike)

 

Heinz Kestel, Oelsnitz/Erzgebirge

 

Neugierig auf die anderen Inhalte des Heftes? HIER können Sie die aktuelle Ausgabe bestellen oder in älteren Heften stöbern.

 

Bildnachweis: Ri_Ya | pixabay.de