Als ich konfirmiert wurde, war bei uns die Gepflogenheit, dass der Pfarrer für uns den Konfirmationsspruch auswählte. Auf diese Weise bekam ich Phil 4,13 zugeteilt: „Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus.“ Erst viele Jahre später ging mir immer mehr auf, was mir da Gewaltiges auf meinen Lebensweg mitgegeben wurde. Ich will mich immer wieder gern daran erinnern lassen und davon Gebrauch machen.

Ich wurde am 29. August 1950 in Gohlis bei Riesa geboren und wuchs in einem evangelischen Elternhaus auf. Sonntags gingen wir Kinder selbstverständlich in den Kindergottesdienst. Als Jugendlicher erlebte ich

Johannes Paul zu einer Kinderevangelisation. Das beeindruckte mich. Ich sehe ihn noch vor mir, den kleinen Mann vor seiner Flanelltafel wie er den Kindern eindrücklich die biblischen Geschichten erzählte.

Ich ging in den Jugendkreis. Meine Bekehrung geschah zu einer Evangelisation mit Helmut Grimm. Damals war ich 16 Jahre. Ab 1965 durfte ich die Erweiterte Oberschule besuchen. Das hatte was Außergewöhnliches. Obwohl ich nicht in der FDJ war, wurde mir dieser Weg möglich. Sie brauchten noch einen, da das Kontingent noch nicht ausgeschöpft war. Abitur mit Berufsausbildung hieß das Bildungsformat damals. Von mir aus hätte ich den Weg so nicht gewählt. Mit 20 Jahren wurde ich zum Gemeinschaftsleiter gewählt. Durch meinen Weg an die Bibelschule währte dieser Dienst nur zwei Jahre. In diese Zeit wurde ich meiner Berufung gewiss, in den hauptamtlichen Dienst zu gehen. Ich landete schließlich von 1971 bis 1974 auf der Schulbank der Bibelschule Falkenberg. Das war eine wertvolle Zeit für meinen Lebenslauf. Danach begann meine Zeit hauptamtlicher Tätigkeit bei unserem Sächsischen Gemeinschaftsverband, die bis zu meinem Ruhestand 42 Jahre währte.

1974 heiratete ich Birgit. Wir haben drei Söhne und inzwischen drei Enkel. Neben Predigerdienst wurde mir der Einsatz im Kinderdienst immer umfangreicher aufgetragen bis schließlich zum Landesbeauftragten. In etwa 30 Jahren habe ich jährlich zwei bis drei Kinderbibelwochen gehalten. Diese Möglichkeit war ein Geschenk für unsere Kinderarbeit und ist es bis heute. Jedes Jahr gab es rund 45 solcher Durchgänge. Das war unter DDR-Verhältnissen möglich. Als Leiter einer Kinderbibelwoche bekamen wir vom Landeskirchenamt eine Bescheinigung, die uns nötigenfalls auch staatlichen Stellen gegenüber für diese Aufgabe legitimierte.

Nach der Wende waren wir so kühn, für Kinderfreizeiten in ehemalige Pionierlager zu gehen. Das hatte etwas Atemberaubendes. So gab es Anfang der 1990er Jahre in Einsiedel die sehr große Belegung mit rund 540 Kindern betreut durch 70 vorwiegend ehrenamtliche Mitarbeiter. Ich staune heute noch über uns. Es folgten in Schneeberg am Filzteich einige Belegungen mit 160 bis 260 Kindern. Für das dortige Personal war so eine Belegung genauso neu und ungewöhnlich. Am Ende bezeichnete der Verwaltungsleiter in Einsiedel uns als „der liebe Gott und seine Helfer“ und stellte uns ein gutes Zeugnis aus.

Die Zeit der Wende war eine Herausforderung. Da wurde sehr bald der Wunsch stark, auch im Osten wieder den EC zu haben. Der war ja nach 1945 verboten worden. Unsere Jugendarbeit geschah allerdings auch in dieser Zeit weiter nach den Grundsätzen des EC. Das Jahr 1990 war geprägt vom Ringen um den weiteren Weg. Manche hatten schon sehr bald die EC-Fahne vom Boden geholt. Andere hoben abwehrend die Hände. Kinder- und Jugendarbeit als EC, gemeinsam und miteinander verknüpft, eng eingebunden in die Gemeinschaftsarbeit: Das musste neu entdeckt und praktiziert werden. Hinzu kam das Zusammenwachsen mit dem bestehenden Deutschen EC-Verband in den alten Bundesländern. Nach und nach reifte die Erkenntnis: Das ist der Weg, den Gott für uns will. Und dieser Weg ist zukunftsträchtig. Ende 1990 konnten wir dann den Sächsischen EC-Landesverband wieder gründen.

Der 9. November 1989 war noch in anderer Hinsicht für uns ein kühnes Ereignis. Wir, etwa fünf Hauptamtliche, hatten einen Termin beim sowjetischen Botschafter in Berlin. Am Nachmittag fuhren wir dort „Unter den Linden“ vor, um unser Kinderdankopfer zu übergeben, das unsere Kinderkreise für die Opfer des Erdbebens in Armenien gesammelt hatten. Es empfing uns der stellvertretende Botschafter. Das war schon eindrücklich.

Zum jährlichen Höhepunkt gehörte der Kindermitarbeitertag mit ca. 500 ehrenamtlichen Mitarbeitern. Das war eine anstrengende Erquickung.

Beim Mitarbeiterkongress „Fit für Kids“ 2001 in Marburg betete eine Frau aus den alten Bundesländern: „Herr, ich danke dir, dass jetzt auch im Osten unseres Landes Kinderarbeit möglich ist.“ Das war eine enorme Bildungslücke, die inzwischen geschlossen sein mag. Es gäbe noch manches dankbar zu erwähnen, was uns vor 1989 alles möglich war.

 

Eberhard Trosse

Stollberg

 

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Bildnachweis: Siegfried Bartz