Aus dem Leben erzählt: „Ungefragt – und dennoch Gottes Plan für mich“

In loser Folge berichten ehren- und hauptamtliche Mitarbeiter unseres Verbandes von ihrem Leben und Dienst. Heute ist Joachim Bahls an der Reihe.

 

„Ungefragt …“ – wurde mir das Leben von Gott geschenkt. Begonnen hat alles vor ca. 68 Jahren. Erinnern kann ich mich allerdings nicht mehr. Es wurde mir später von anderen erzählt, das wäre am 27.02.1953 gewesen. Mit Psalm 139,13 kann ich nur zurückblickend sagen: „… du hast mich gebildet im Mutterleibe.“

„Ungefragt …“ – wurde ein Samenkorn ausgestreut, welches mich zum Helfer werden ließ. Mit zur Familie gehörte damals unsere „blinde Oma“ (eigentlich Urgroßmutter). Selbstverständlich waren für uns kleine Handreichungen, um die sie bat. Fast ein wenig stolz war ich, als ich sie zunächst an den Tisch in der Wohnung und später auch das eine oder andere Mal zu einer Parkbank führen durfte. Es gehörte einfach dazu; im Grunde nichts Außergewöhnliches. Von vielen mit Kopfschütteln, von anderen mit einem geringschätzenden Lächeln begleitet. Im weiterem Leben haben so manche Gemeinschaftsgeschwister privat und manches Gemeinschaftshaus davon profitiert. Heute kann ich sagen, dass Gottes Wort mich ungefragt begleitet hat. Vielleicht ist es ein Satz wie: „Liebes Kind, nimm dich deines Vaters im Alter an und betrübe ihn ja nicht, solange er lebt; …“ (Sir 3, 14) Wobei für das Wort „Vater“ stellvertretend auch stehen könnte: Mutter, Oma oder (Glaubens-)Geschwister.

„Ungefragt …“ – hieß es, Abschied von Oma zu nehmen. Als Kind ist ein solches Ereignis schwer zu begreifen. Aber ein Verlust war es allemal. Alles in allem sind Erfahrungen wie diese – es waren natürlich nicht die einzigen – prägend. Was jedoch nicht bedeutet, dass mein Leben von da an ohne Probleme lief. Denn bei der Betreuung der Großmutter oder späteren Hilfeleistungen ging es manchmal auch an die Substanz. Es war nicht immer Sonnenschein und pure Freude für den „kleinen Helfer“. Weil – ja, ihr vermutet richtig – sehr oft das „Ungefragt“ im Raum stand.

„Ungefragt …“ – hat Er mich gerufen. Bei der Berufswahl, wo zunächst der Wunsch Tierpfleger gehegt wurde, ich mich dann aber für eine Zimmererausbildung entscheiden musste. Später wurde aus dem Hand-Werker ein Mund-Werker (Prediger). Also doch irgendwie Tierpfleger. Oder besser: Hirte. Heißt es doch: „er hat uns gemacht … zu Schafen seiner Weide.“ (Psalm 100, 3)

„Ungefragt …“ – dennoch selbstverständlich führte Gott bei der PartnerFINDUNG, denn die eigene PartnerSUCHE ging bis dahin ins Leere. Doch Gottes Plan ist besser als meiner. Er hatte schon eine Frau für mich, die später den Beruf des Predigers mitträgt – und das, ehe seine Berufung kam. Gott sei Dank! Manch einer fragt: Was ist daran so Besonderes? Nichts! Und doch gibt es einen kleinen Unterschied. Etwa so:

„Ungefragt …“ – ein Alltag wird auf den Kopf gestellt. Aus einem einigermaßen geregelten Lebenslauf (Arbeit im Sägewerk, dann Haus, Hof, Garten und individuelle Tierhaltung) kam der Gang zur Bibelschule, daran anschließend Kirchlicher Fernunterricht. Danach viel unterwegs; da blieben Kindererziehung, Haus, … bei ihr hängen. Fast jedes Wochenende und abends zum Dienst. Urlaub war schwierig, da Kinder-, Jugend-, und Familienwochen in der sogenannten Ferienzeit (der eigenen Kinder) zu Buche standen. Dann berufsbedingte Versetzungen (3) mit allem, was dazu gehört. Neben dem Arbeitsaufwand hieß es auch Freundschaften zurücklassen bzw. neue finden. Unsere Kinder gingen ebenfalls ungefragt diesen Weg mit. Gott segne sie dafür.

„Ungefragt …“ – kam die Diagnose „Parkinson“ als neue Herausforderung in das Leben. Da heißt es wieder, Helfer zu sein. Für die Frau tut man das doch gerne, oder? Von Herzen natürlich, doch manchmal will der Kopf nicht so recht. Obwohl es fast von Anfang „eingeübt“ wurde, muss der Umgang damit erst bewältigt sein. Über 10 Jahre betreuen meine Frau und ich eine Selbst-Hilfe-Gruppe für Parkinsonkranke und deren Angehörige. Das ist unsere missionarische Chance.

„Ungefragt …“ – Abschied nehmen war die andere Lektion. Erst Oma, den Direktor der Bibelschule, zwei Lehrer und letztendlich den Schwiegervater, meine Eltern und einen unserer Söhne mussten wir zu Grabe tragen. Wir sind noch am Lernen! Begleitet und geholfen haben uns Worte aus dem Buch Sirach: „Mein Kind, wenn einer stirbt, so beweine ihn, und beklage ihn, als sei dir großes Leid geschehen, … denke ans Ende, und vergiss es nicht. Denn da ist kein Wiederkommen; es hilft ihm nichts; und dir tust du Schaden. Gedenke an ihn; wie er gestorben, so musst auch du sterben. “ (Sir 38, 16-24)

Diese Ratschläge halte ich für wichtig, lies den ganzen Abschnitt. Denn: Ungefragt – aber nicht unerwartet ist Gottes Plan.

Joachim Bahls, Jahnsdorf

 

 

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