Sachsen ist reich an unterschiedlichen christlichen Strömungen und Traditionen. Eine davon und deren spezielle Osterbräuche stellt Olaf Langner im SGB vor.

Wenn man in Deutschland per Umfrage nach dem beliebtesten christlichen Fest im Jahreskreis fragte, würden sicher viele „Weihnachten“ an die erste Stelle setzen.

In den sorbischen Gebieten der Oberlausitz ist dies anders. Hier ist ohne Zweifel Ostern das bedeutendste Fest überhaupt. Die Feier der Auferstehung Jesu mit seiner Symbolkraft für den Neubeginn des Lebens nach dem Tod wird durch vielerlei Bräuche begangen.

 

Semmeln, Eier und Wasser …

Dazu gehört beispielsweise die aus drei Teigsträngen geflochtene sogenannte Patensemmel, die man seinen Patenkindern bereits am Gründonnerstag überreicht. Die drei Teigstränge stehen für die heilige Dreieinigkeit.

Seit alters her werden ebenfalls kunstvoll verzierte Eier verschenkt, die in verschiedenen Techniken unter Zuhilfenahme von Bienenwachs hergestellt werden. Das Ei als Symbol für den Ursprung allen Lebens war früher nach dem Winter das erste Lebensmittel, was ohne Konservierung wie Rösten, Räuchern oder Salzen gegessen werden konnte. Sie waren daher besonders wertvoll.

Im Morgengrauen des Ostersonntags zogen früher – und auch heute geschieht dies – junge unverheiratete junge Mädchen zu einem nach Osten – also zum Sonnenaufgang hin – fließenden Fluss, um daraus Osterwasser zu schöpfen. Es sollte Kraft und Schönheit verleihen und Krankheiten besiegen. Auf dem Hin- und Rückweg darf dabei kein Wort gesprochen werden, sonst verliert das Osterwasser seine Kraft und wird zu Plapperwasser.

 

… und die Osterreiter

In den katholischen sorbischen Kirchgemeinden pflegt man den Brauch des Osterreitens. Bereits in vorchristlicher Zeit sollten Feldumritte die junge Saat vor Schaden bewahren. Man kann bereits in der Karwoche bemerken, wie – teilweise von sehr weit her – Pferde herangeholt, eingestallt und für das Osterreiten vorbereitet werden. Den Pferden werden die Hufe gereinigt, sie werden gestriegelt, Mähne und Schweif werden gewaschen und dann geflochten oder onduliert. Liebevoll gefertigtes Pferdegeschirr – teilweise über Generationen gepflegt und gehütet – wird auf Hochglanz gebracht und mit Blumen verziert. Vor dem Ausritt am Ostersonntag wird das Pferd gesattelt und am Pferdeschweif eine mit Blumenornamenten verzierte Schleife befestigt. Ist diese schwarz, deutet sie auf Trauer in der Familie hin.

Auch die Osterreiter tragen festliche schwarze Kleidung: Reitstiefel, Gehrock und Zylinder. Wer zum ersten Mal am Osterreiten teilnimmt, trägt ein Myrtenkränzchen. Zum jeweiligen Jubiläum darf sich der Reiter dann mit einer silbernen „25“ beziehungsweise goldenen „50“ schmücken. Bevor der Osterreiter den Hof verlässt, wird er von der Hausfrau mit Weihwasser ausgesegnet: „Bože žohnowanje a dobry nawrót“ – „Gottes Segen und eine gute Heimkehr“.

Die Reiter versammeln sich paarweise an der Kirche und formieren sich zu längeren Zügen. Die Züge erhalten vom Pfarrer die Kirchenfahnen, eine Statue des Auferstandenen und ein Kruzifix. Daher rührt wohl auch die sorbische Bezeichnung für die Osterreiter „Križerjo“. Križ bedeutet „das Kreuz“, es sind also „Kreuz-Reiter“. Anschließend segnet der Pfarrer die Reiter mit den Worten „Njesće poselstwo zrowastanjeneho Chrystusa do susodneje wosady!“ – „Tragt die Botschaft vom auferstandenen Christus in die Nachbargemeinde!“

Die Prozession beginnt mit einem dreimaligen Umreiten von Kirche und Friedhof, um auch den Verstorbenen die Auferstehung zu verkünden und für sie zu beten. Dann begeben sich die Osterreiter singend und betend in die Nachbargemeinde. Nach alter Sitte dürfen sich die Reiterprozessionen unterwegs nicht begegnen. Es gehört zum guten Brauch, dass sie in der Nachbargemeinde bewirtet werden. Am Nachmittag begeben sich die Osterreiter mit ihren Pferden auf den Rückweg in die Heimatgemeinde. Auch hier dürfen sie sich unterwegs nicht begegnen. In der Heimatgemeinde klingt der Ostersonntag mit nochmaligem Umreiten der Kirche, mit Gesang und Gebet an der Kirche aus.

Auf dem Weg zum Stall sieht man den Reitern die Strapazen des Rittes an – gepaart mit der Freude, nun auch Kinder, Enkel oder die Liebste auf das Pferd setzen und nach Hause führen zu können.

Am Dienstag nach Ostern kommen die etwa 1500 Osterreiter in der Wallfahrtskirche zu Rosenthal zusammen und feiern einen stimmgewaltigen Dankgottesdienst.

Seit einiger Zeit gibt es an manchen Orten auch Züge, in denen auf Deutsch gebetet und gesungen wird oder evangelische Osterreiter dabei sind.

Alle gemeinsam bilden einen würdigen Rahmen für die Botschaft „Chrystus je stanył!“ – „Christus ist auferstanden!“.

 

Olaf Langner, Königswartha

 

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Bildnachweis: Rico_Loeb | pixabay.de