Vor über 30 Jahren haben Theo Lehmann und Jörg Swoboda diesen Satz in einem Lied veröffentlicht. Damit ist fast alles gesagt, was auf die Frage: „Wie finden Menschen zum Glauben?“ zu sagen ist.

 

Damals nicht in der Verfügung von Menschen …

Glaube entsteht, wo der gekreuzigte und auferstandene Christus Jesus einladend verkündigt wird. Der Heilige Geist öffnet das Herz von Menschen, dass sie umkehren und ein Leben mit Jesus beginnen. Martin Luther schreibt: „Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus, meinen Herrn, glauben oder zu ihm kommen kann; sondern der Heilige Geist hat mich durch das Evangelium berufen“.

Dass Menschen zum Glauben finden, ist ein Wunder, weil es gar nicht in unserer Verfügung steht. Als die Modedesignerin Lydia in Philippi (Apg 16,12–15) „[Paulus] zuhörte, öffnete ihr der Herr das Herz, so dass sie das, was Paulus sagte, bereitwillig aufnahm.“Der Heilige Geist ist hier der Handelnde und Paulus die „Hilfskraft“. Paulus muss von Jesus reden, ihn bezeugen, informieren, werben und ans Herz legen. Aber er tut kein Herz auf. Das tut Gott selbst – wann und wo er will. DASS er es will, sehen wir an Lydia, die zum Glauben findet.

 

… und auch heute nicht!

Und so ist es bis heute geblieben. Gott tut Menschen das Herz auf, so dass sie umkehren und mit Jesus leben. Wie jener junge Mann, der in einer Evangelisation der Einladung zu einem Leben mit Jesus Christus folgte, aufstand und nach vorn zum Kreuz ging. Oder die Frau, die es nicht mehr auf ihrem Platz hielt: „Ich muss jetzt nach vorn gehen!“ Sie empfing unterm Kreuz Vergebung ihrer Sünde und konnte ein neues Leben mit Jesus beginnen. Die Zeit für Evangelisationswochen ist noch lange nicht vorüber. Wir brauchen nur Mut zur Durchführung.

Aber auch andere Gelegenheiten nutzt der Geist Gottes, dass Menschen zum Glauben finden. Auf einer Jungen-Freizeit war es: Am Abend hatte ich von Georg Williams, dem Gründer der CVJM-Bewegung, erzählt. Dieser Bauernjunge hatte zum Glauben gefunden und schließlich andere junge Männer ermutigt: „Falls ihr ein glückliches, sinnvolles und reiches Leben haben wollt, dann gebt Eure Herzen Gott, solange ihr noch jung seid.“ Am folgenden Tag kamen zwei 11-jährige Jungen zu mir. So ein Leben mit Jesus wünschten sie sich. So haben wir gemeinsam gebetet und die zwei konnten in ein neues Leben starten.

Ein junger Mann hatte im Bücherregal seines Vaters das Buch von Wilhelm Busch „Jesus unser Schicksal“ gefunden und gelesen – Predigten, die Mitte des letzten Jahrhunderts gehalten wurden. Aber diese Jesus- Verkündigung traf ihn ins Herz, so dass er ein Leben mit Jesus begann.

Viele Familien waren auf unserer Familienfreizeit. In den Bibelarbeiten war Jesus und ein Leben mit ihm das Thema. Ein Familienvater, der sich mit seiner Familie schon lange zur Gemeinde hielt, kam zu mir. Die Last seines Lebens drückte ihn. Es folgte ein langes Gespräch. Er strahlte, als wir gemeinsam seine Schuld unterm Kreuz ablegten, ich ihm im Namen von Jesus Christus die Vergebung zusprechen und er neu beginnen konnte.

Auf dieser Freizeit war es auch, als eine junge Frau nach einer Bibelarbeit sagte: „Herr Pfarrer, wenn ich Sie so reden höre, dann weiß ich, ich bin kein Christ!“ Betroffenes Schweigen. Die Botschaft war doch einladend und biblisch klar gewesen. Was kann man da noch sagen? Sechs Jahre später, nach einem Bibelwochenabend kam diese junge Frau und folgte der Einladung zum Glauben an Jesus.

 

Missionarische Geduld

Geistliche Prozesse können, laut einer Studie des Instituts zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung (IEEG) in Greifswald von 2010, knapp sechs Jahre und länger dauern, bis Menschen ihren Glauben festmachen. Deshalb brauchen wir „missionarische Geduld“. Wir dürfen uns nicht entmutigen lassen, wenn scheinbar nichts passiert. Es gilt weiter zu glauben und weiter zu beten, dass Gott handelt. „Er weiß viel tausend Weisen, zu retten aus dem Tod“ (EG 302).

Deshalb lasst uns die dringliche (aber nicht drängende), herzliche (aber geduldige) Bitte „Lasst euch versöhnen mit Gott“ (2 Kor 5,20) anderen weitersagen. Lasst uns Gelegenheiten schaffen, wo sie die Grenze überschreiten können, die den Glauben vom Unglauben trennt.

 

Gunder Gräbner

Chemnitz

arbeitet seit Herbst 2019 als Evangelist im Sächsischen Gemeinschaftsverband. Wir stellen ihn in der nächsten Ausgabe ausführlicher in einem Interview vor.

 

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