Jedes Jahr überlege ich neu, was Ostern bedeutet. Klar: Jesus ist auferstanden, er hat den Tod besiegt, er lebt und … und dann? Was bedeutet die Tatsache, dass Jesus auferstanden ist: Hier und heute, mitten in meinem Leben, für unsere Gemeinschaft, inmitten von Corona mit allen Einschränkungen und allen Ärgernissen?

„Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war.“ (Joh 21,4) Das ist für mich der beinahe schönste Satz der Ostergeschichte, weil hier Ostern mitten ins Leben kommt. Dieser Satz kann sosehr Mut machen, Kraft verleihen und Zuversicht schenken. Wir sind in derselben Situation wie die Jünger: Wir wissen, Jesus ist auferstanden; wir haben ihn erlebt und die Kraft der Vergebung entdeckt (Joh 20,19-23) – aber irgendwie kommt das im ganz normalen Alltag unter die Räder.

So richtig falsch haben die Jünger nichts gemacht. Trotzdem irgendwie rechnen sie nicht mit der Gegenwart Jesu. Aber er ist da! Dort, wo du noch nicht weiß, ob es Tag wird; da, wo man nur den schmalen Silberstreif am Horizont ahnt – da ist Jesus schon längst da. Und er sorgt sich, um uns – um dich und mich, um deine Gemeinschaft und unseren Verband. Er fragt: „Sag mal, habt ihr genug?“ Nicht: „Reichts euch langsam?“ Und er lädt uns ein ehrlich zu sein: „Nein, Jesus, wir haben nicht genug – nicht genug Mut, nicht genug Geduld, nicht genug Hoffnung, nicht genug…“

Und dann kommt das, was so unglaublich ist. Jesus sagt: „Probiert‘s doch noch mal!“ Komm jetzt, das Netz raus! Das macht mir Mut; das ist Ostern live und in Farbe mitten im Alltag: „Probier’s doch noch mal, ich bin da.“

Aber, so fragt mein skeptisches Herz, woher weiß ich das denn? Ich weiß es manchmal nicht. Selbst dann nicht, wenn das Netzt voll ist. Dann brauche ich, dann brauchen wir einen Johannes, der uns leise ins Ohr flüstert: Du, da ist Jesus – das löst die Spannung. Wenn ich das wieder neu höre, dann will ich nur noch eins: Hin zu Jesus.

Ich wünsche mir und uns das Ostern so Realität in unserem Leben und unseren Gemeinschaften wird. Weil wir einander diesen Dienst tun: einander auf Jesus hinweisen und in die Gemeinschaft mit ihm einladen – denn „…er ist wahrhaftig auferstanden!“

 

Reinhard Steeger

Leipzig

Vorsitzender des Sächsischen Gemeinschaftsverbandes

 

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