„Die Weihnachtsfreude, die pustet keiner aus …“

So beginnt ein Lied von Manfred Siebald aus dem Jahr 1992. Doch was ist mit dieser „Weihnachtsfreude“ gemeint? Jahr für Jahr geht ab Ende November ein heimliches Raunen durch die Zeit und Welt, je nach Region mal stärker und mal schwächer. Weihnachten steht vor der Tür! Besonders im Erzgebirge beginnt dann die fünfte Jahreszeit. Aber ist das, was sich da abspielt, wirklich noch reine Freude? Die Vorbereitungen fürs Fest beginnen bekanntlich schon sehr zeitig, und das Stresspotential steigt von Woche zu Woche. Die Weihnachtsdeko, für die manche mehrere Tage benötigen, sollte schon Ende November stehen. Lebkuchen, Plätzchen und Christstollen müssen gebacken werden. Geschenke sind zu besorgen, und einen Baum braucht es auch. Und dann die vielen Weihnachtsfeiern der Firmen, Vereine und Gemeindekreise. Letztes Jahr hat uns Corona ausgebremst, und vielleicht hat der eine oder die andere gedacht und gesagt: Es geht auch anders, weniger hektisch und vielleicht auch einen Hauch besinnlicher. Meist kommt doch vor lauter Betriebsamkeit keine wirkliche Weihnachtsstimmung auf. Doch halt!

 

Weihnachtsfreude ist etwas anderes als gefühlvolle Stimmung

Bei vielen – auch bei mir – werden in dieser besonderen Zeit verklärte Erinnerungen wach. Man sehnt sich zurück in die Zeit der Kindertage, obwohl es für viele der heute Älteren oft sehr bescheiden bei den Geschenken zuging. Doch selbst wenn es gelingt, etwas von der vergangenen Zeit aufleuchten zu lassen: Spätestens, wenn die Weihnachtsdeko weggeräumt wird und die Kerzen auf dem Adventskranz verlöschen, ist auch die Stimmung weg. In einem Weihnachtslied von Ernst Gebhardt (1832-1899), das in viele Sprachen übersetzt wurde, heißt es: „Doch wie kurz sind solche Freuden, bald verlöscht der Kerzen Licht, Jesus kann allein bereiten Freuden, die vergehen nicht.“ Im zweiten Teil des Verses wird schon auf das verwiesen, was die Freude haltbar macht.

 

Weihnachtsfreude kommt von außen

Das Geheimnis der Weihnachtsfreude liegt darin, dass Gott selbst in einem kleinen Kind in unsere Zeit und Welt kommt. Als der Engel Gabriel Maria besucht und ihr ankündigt, dass sie den Heiland zur Welt bringen wird, stimmt sie nach anfänglichem Schock ein wunderbares Loblied (Magnificat) an, dem man die Vorfreude regelrecht anmerkt (Lk 1, 26ff). Und als sie ihre Verwandte Elisabeth, die auch schwanger ist, besucht, „hüpfte das Kind vor Freude“ (Lk1,44) in deren Bauch in geheimnisvoller Vorahnung, dass bald der Retter geboren wird. Den Hirten wird verkündet: “Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird“. (Lk 2,10). Als die Weisen „den Stern sahen, waren sie hocherfreut“ (Mt 2,10), auch wenn dieser ja nur der letzte Hinweis darauf ist, dass sie endlich am Ziel ihrer langen Reise und ihrer Sehnsucht sind. Die Bibelworte sagen uns, dass das Ereignis der Christgeburt ein Geschehen ist, welches zwar außerhalb von unser Erfahrbarkeit stattfindet, uns aber zutiefst betrifft, denn Gott kommt persönlich zu uns, und das ist Grund unbeschreiblicher Freude.

 

Weihnachtsfreude kommt von innen

Die Nachricht, dass der Heiland zur Welt kommt, hat das Herz von Maria, Josef, den Hirten und vielen Menschen damals nachhaltig verändert. Diese Wirkung war kein Strohfeuer; bis heute „brennt“ diese Flamme. Sie erwärmt und verändert unser Herz angesichts dieser abgrundtiefen Liebe Gottes im Kind von Bethlehem. So wird jeder, der vom Wunder der Weihnacht im Herzen berührt ist, von der wahren Weihnachtsfreude wissen und diese mit anderen teilen, denn:

 

Weihnachtsfreude ist teilbar

Schon damals wird das freudige Ereignis Maria und Josef, die Hirten, die Weisen und viele andere miteinander verbunden haben. Und sie haben erlebt, dass geteilte Freude wirklich doppelte Freude ist. Eigentlich sollte dies auch heute unsere Advents- und Weihnachtsfeiern, die Familientreffen an den Festtagen und natürlich alle Weihnachtsgottesdienste bestimmen: Wir freuen uns miteinander, dass der Heiland geboren wurde, über diese Erde ging, für uns starb, auferstand und wiederkommen wird.

 

Weihnachts-Vor-Freude

Als wir Kinder waren, begann mit dem 1. Advent eine spannungsgeladene Zeit. Wir freuten uns, umgeben von Krippenfiguren, Engel und Bergmann und Räucherkerzenduft, auf den ersten Schnee, auf den Nikolaus, schrieben Wunschzettel und haben uns mit dem Adventskalender – damals einfach aus Papier mit einem Bildchen hinter dem Türchen – von Tag zu Tag in Richtung Weihnachten durchgekämpft. Heute lebe ich bewusst mit der Botschaft der vier Advente und nutze die Zeit zur inneren Einkehr, denn es ist die erste, weithin vergessene, Fasten- und Bußzeit des neuen Kirchenjahres. Die Wochensprüche geben die Bedeutung vor. Darin wird deutlich, dass wir zunächst eine Zeit der Besinnung brauchen, um wieder zu begreifen, dass aus dem Kind in der Krippe ein Mann wurde, der mit Macht und Herrlichkeit wiederkommen wird. Am 4. Advent wird die Tür zur Weihnachtsfreude schon einen Spalt geöffnet, wenn es da wenige Tag vor dem Fest heißt: Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe! (Philipper 4,4+5).

 

Weihnachtsfreude, die bleibt

Wer ohne das Kind in der Krippe Weihnachten feiern will, begnügt sich mit der Verpackung und legt das Geschenk achtlos zur Seite. Weihnachten ohne Jesus ist wie eine Nuss ohne Kern. Auf den Kern kommt es an – und das ist das Kind in der Krippe. Jesus ist die Hauptperson, weil er Geburtstag hat!

Wenn diese Erkenntnis unser Herz erwärmt und auch künftig unser Leben bestimmt, wird die Weihnachtsfreude nicht vergehen, wird es keine Enttäuschungen geben und keine Leere zurückbleiben, wenn die Kerzen verlöschen, der Baum entsorgt und der Weihnachtsschmuck samt Räuchermänner, Engel und Krippenfiguren weggepackt ist.

 

Wie hieß es doch noch bei Manfred Siebald?

 

Die Weihnachtsfreude, die pustet keiner aus.

Die Weihnachtsfreude hängt nicht am Baum zu Haus.

Gott kam zu uns auf die Welt, wurde so wie wir.

Wir wolln uns freuen, denn Jesus ist jetzt hier.

 

Die zweite Strophe stellt uns schon mal ein auf die Zeit nach dem Fest:

Gott lässt uns nicht alleine. Er weiß, es ist so schwer,

ohne ihn zu leben, und so kommt er her.

Wir wissen, dass er bei uns ist, denn Jesus macht uns klar:

Gott schenkt sich uns zur Weihnacht und bleibt das ganze Jahr.

 

 

Gottfried Geweniger, Lößnitz

 

 

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