Wen würdet ihr gern zu eurer nächsten Bibelstunde einladen? Abraham? Maria Magdalena? Vielleicht Ehud oder lieber Nebukadnezar? Spannend, oder? Wenn ich könnte, würde ich Barnabas einladen. Wohlgemerkt: Barnabas – nicht Barabbas. Ich glaube, die Verwechslung passiert ihm immer wieder. Aber so, wie ich ihn kennengelernt habe, macht ihm das gar nicht so viel aus. Er würde wahrscheinlich nur sagen: „…na-bas, nicht …rab-bas“. Und dann wäre für ihn das Thema erledigt.

Barnabas, ein klassischer Mann aus der zweiten Reihe. Einer, der eben nicht so gern im Rampenlicht steht und aus eben dieser zweiten Reihe viel bewegt hat. Ohne ihn hätte niemand diesem Spezialagent Saulus auch nur ein Wort geglaubt. Ohne ihn wäre Paulus vermutlich in Tarsus geblieben und hätte dort Zelte gemacht und fleißig Bibel studiert.

Barnabas ist einer, der ein Gespür für Menschen hat; der einfach weiß, wer wohin passt, welches Potential in Einzelnen steckt und was sie bewirken könnten. Er hat den Blick für das Wesentliche. Von ihm wird gesagt: „Als dieser dort hingekommen war und die Gnade Gottes sah, wurde er froh“ (Apg 11,23). Das ist Durchblick – der Durchblick, den wir brauchen! Barnabas sieht nicht zuerst das, was fehlt oder was man noch besser machen kann, sondern das, was da ist: Die Gnade Gottes. Diesen Blick wünsche ich mir und uns, Gottes Gnade bei der Arbeit zu zusehen. Nicht zuerst beachten, was nicht funktioniert, was noch nicht stimmt, sondern einfach wahrnehmen: Gottes Gnade ist am Wirken. Dann wird man wie Barnabas froh und das Meckern und Kritisieren hört auf.

Sieht er denn nicht, dass die Leute in Antiochien keine blassen Schimmer von Lehre haben? Doch, sieht er! Und er weiß, wer das besser lösen kann. Er macht sich auf die Suche nach Paulus, bringt ihn zu den jungen, motivierten, unerfahrenen Christen und die Gemeinde wird durch Lehre erbaut. Woher kann der das? – Barnabas wird als Mann, voll Heiligen Geistes beschrieben; als einer, den Gottes Geist prägt, führt und leitet. Das ist das ganze Geheimnis: Jemand, der sich von Gottes Geist regieren lässt und so andere aufbauen und motivieren kann. Wenn ich mir von Pfingsten etwas wünschen könnte, dann solche Menschen.

 

Reinhard Steeger

Leipzig

Vorsitzender des Sächsischen Gemeinschaftsverbandes

 

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