Nachfolge – mehr als Hinterhergehen

Sonntagsspaziergänge waren nicht der Hit meiner Kindheit und Jugend. Einfach nur durch die Gegend zu latschen, war nicht so spannend, dass es mich ins Freie gelockt hätte. Und genau so sah es dann auch aus: Während sich die anderen voll motiviert auf den Weg machten, lief ich – so langsam ich nur konnte – hinterher. Was mir natürlich den einen oder anderen zwar gutgemeinten, aber auch immer stärker genervten Aufruf, mich doch bitte etwas zu beeilen, einbrachte.

Irgendwie hat sich diese Szene (vielleicht nicht nur bei mir) ins kollektive Gemeindehirn eingebrannt: Da gibt es jemand der vorn läuft und die, die ewig nicht kommen – und das nennen wir dann Nachfolge, also hinterhergehen. Oder sollten wir sagen hinterhertrotten? Dass das nichts Attraktives ist, erklärt sich von selbst, oder?

Der Blick in die Bibel verrät etwas anderes. Da steht Jesus am Zoll in Kapernaum, sieht Matthäus und sagt: „Folge mir nach! Und er stand auf und folgte ihm nach“ (Mt 9,9). Irgendwie muss das etwas so Faszinierendes und Außergewöhnliches gewesen sein, dass es für Matthäus tausendmal interessanter, besser und logischer war, nachzufolgen, als weiter Geld zu scheffeln und reich zu werden. Und das war kein Einzelfall; man kann sogar lesen, wie Menschen sich förmlich überschlugen, um „folgen“ zu dürfen. Jesus hat ihnen das Ganze aber nicht leicht gemacht hat (vgl. Lk 9,57-62). Was für ein Unterschied zum Sonntagsspaziergang! Jesus ruft, anders zu werden, sich verändern zu lassen, nicht mehr so zu sein, wie sie halt sind, sondern ein neues Leben zu beginnen.

Nachfolge heißt: Jesus will dir das beibringen. Gerade hat die Schule wieder begonnen. Wagen wir es auch, uns auf die Schulbank zu setzen und zu lernen, wie das geht, das neue Leben? Da gibt es Fächer wie „Buße & Vergebung“, „Einander-Annehmen“ oder „Selbstverleugnung“ – nur um mal einen Teil des Stundenplans zu skizieren. Das Spannende dabei ist: Jesus steht nicht als Lehrer vorn oder läuft meilenweit voraus. Nein, er ist der Trainer, der mitläuft und dir hilft, die Übung zu schaffen; der dich anspornt und auch korrigiert. Und nach ein, zwei Wochen merkst du: Du wirst richtig fit, es ändert sich etwas bei dir und in deiner Welt. Das ist Nachfolge oder Jüngerschaft. Und dafür gibt’s Gemeinschaften – Gott sei Dank!

 

Euer

 

Reinhard Steeger, Leipzig

Vorsitzender des Sächsischen Gemeinschaftsverbands

 

 

 

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