Rundschreiben 19 vom 23.11.2021

Liebe Geschwister,

der Blick geht fast wie von selbst auf die Jahreslosung des alsbald vor uns liegenden Jahres 2022: „Jesus Christus spricht: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“ (Joh 6,37) Luther übersetzt hier: „und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.“ Wie froh dürfen wir sein, daß wir zu unserem Herrn gefunden haben. Wie gnädig der Herr mich, der ich spät zum Glauben kommen durfte, aufgenommen hat, läßt mich heute noch tief berührt verharren und meinem Heiland und Erlöser Jesus Christus aus der Tiefe meines Herzens danken; er hat mich weder abgewiesen noch hinausgestoßen! Und wie froh sind wir – wer hätte nicht schon davon berichtet – daß wir immer wieder zu unserem Herrn umkehren und zurückkommen dürfen; jeden Tag aufs Neue. Da unser Herr und Meister Jesus Christus spricht „Tut Buße“ usw. (Mt 4,17), hat er gewollt, daß das ganze Leben der Gläubigen Buße sein soll (Luther, 1 These). Die immerwährende Hinwendung zu Jesus Christus ist Bestandteil der (all-)täglichen Glaubenspraxis des Christen. Auch hier erfahren wir die glaubensstärkende und befreiende Zuwendung Christi zu uns hin, uns zugute. Der Blick richtet sich alsdann auf jene, die Christus suchen, noch nicht zu ihm gekommen sind, doch auf dem Weg sind. Wie können diese zu Christus gelangen? „So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi.“ (Röm 10,17) Wenn Christus selbst die zu ihm Kommenden nicht von sich weist, so können wir nicht anders, als den Weg zu ihm hin allen freizuhalten, die sich freiwillig auf diesen begeben. Gottesdienste und Verkündigungen müssen für alle Menschen frei zugänglich sein.

Die sächsische Staatsregierung hat nun, angesichts der von ihr festgestellten Lage, via des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und gesellschaftlichen Zusammenhalt, eine Corona-Notfall-Verordnung veröffentlicht. Diese neue Verordnung des Freistaates trat am 22. November 2021 in Kraft und gilt bis einschließlich 12.12.2021.

I. Was ist neu?

In dieser Not-Verordnung ist so einiges neu geregelt. Dazu gehören flächendeckende 2GRegelungen, Schließungen von Einrichtungen sowie Ausgangsbeschränkungen für Ungeimpfte in Hotspot-Regionen. Angebote und Einrichtungen für Kinder bleiben dabei so weit wie möglich geöffnet.

Die für uns wichtigste Neuerung betrifft den Zugang zu unseren Zusammenkünften zwecks Verkündigung. Hier ergibt sich laut § 18 CoronaNotVO eine sog. „3G-Regelung“ für unsere Zusammenkünfte, d.h., eine Pflicht zur Vorlage eines Impf-, Genesenen- oder Testnachweises und zur Kontrolle derselben durch den Verantwortlichen.

I.1. Unsere Verkündigung gilt allen

Wir nehmen die Pandemie-Lage ernst, die CoronaNotVO wahr und stellen ebenso fest, daß trotz Impfquoten von 70% (über 80% bei den über 60jährigen) sich die CoronaMaßnahmen nun wieder verschärfen. Neu ist dabei die sog. „3G-Pflicht“ für Zusammenkünfte der Kirchen und Religionsgemeinschaften. Diese Regelung stößt sich an dem durch unseren Herrn und Heiland Jesus Christus gegebenen Auftrag, „alle Völker“ (Mt 28,19) und „aller Kreatur“ (Mk 16,15) zu lehren und unsere Verkündigung jedem zugänglich zu machen (Mt 5,15f; s.a. Ps 105,1; Röm 10,17)

Wir haben fast zwei Jahre Erfahrung in der Durchführung unserer Zusammenkünfte unter Corona-Maßnahmen. Das Hygienekonzept hat sich bewährt und, trotz unterschiedlicher Einschätzung der Lage, sind wir im Großen und Ganzen bewahrt durch diese Zeit geführt worden. Landesweit gesehen läßt sich sagen, daß wir die Schutzbedürftigkeit (nicht nur unserer älteren) Geschwister sehr gut wahrnehmen und durchaus vernünftig mit der Situation umgehen. Wie andernorts auch, gibt es bei uns extreme Einstellungen in beiderlei Richtungen, die jedoch das Gesamtbild nicht maßgeblich beeinflussen. Die neue Corona-Verordnung gilt auch für uns und wir wollen sie ernst nehmen.

I.2. Was ist zu tun?

Um beiden Ansprüchen gerecht zu werden, dem der freien Verkündigung laut Auftrag durch unseren Herrn Jesus Christus und der Zugangskontrolle durch die Corona-NotfallVerordnung, führen wir, bei Beibehaltung unseres Hygieneplans und unter Beachtung der übrigen Vorschriften der Corona Notfall-Verordnung eine erweiterte Listenlösung ein.

Die bisherigen Aufzeichnungen zur Kontaktverfolgung werden um die Rubrik „Getestet“, Genesen“ und „Geimpft“ erweitert (siehe Anhang; zwei Möglichkeiten: Teilnehmerkarte oder Teilnehmerliste). Die Besucher tragen also, wie gehabt, Name, E-Mail-Adresse oder Telephonnummer ein und markieren dann durch ein Kreuz ihren Status

(Teilnehmerkarte) bzw. versichern durch ihre Unterschrift, die 3G-Regelung zu erfüllen (Teilnehmerliste).

In unseren Gemeinschaften haben wir ein großes Vertrautheitsverhältnis. Viele, nicht nur die älteren Geschwister, sind geimpft, Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre gelten als getestet, wenn sie der Schul- oder Kita Corona-Verordnung unterliegen. Nicht wenige werden ihren Nachweis von selbst präsentieren. Darüber hinaus ist unsere Gemeinschaft gekennzeichnet durch das Vertrauen in dem Herrn und untereinander. Es sollte niemand einen anderen nötigen. Wir sind bewußt praktizierende Christen, die ihrem Herrn gehorchen und aufrichtig unser Leben nach seinem Willen ausrichten. Auf unsere Angaben können wir uns verlassen! Für diejenigen, die sich vor den Zusammenkünften testen lassen wollen, können Selbsttests vorrätig gehalten werden.

Ein Problem der Kontrolle besteht darin, daß die wenigsten, wenn überhaupt, darin geschult sind, die Vielzahl der möglichen Nachwiese verantwortbar zu unterscheiden. Neue Besucher werden persönlich über unser Hygienekonzept unterrichtet. Ein weiteres

Problem bei angeordneter Kontrolle unbekannter Personen ist die Schwierigkeit, ungültige bzw. gefälschte Dokumenten zu erkennen. Die Übertragung der Kontrollpflicht auf den Veranstalter ist aus rechtlicher Sicht durchaus umstritten.

Gleichwohl sollten wir am Ende der Zusammenkunft von allen Besuchern die vollständig ausgefüllten Teilnehmerkarten bzw. Teilnehmerliste unter den bekannten Datenschutzrichtlinien verwahren.

I.3. Weitere Regeln für unsere Zusammenkünfte

Für Zusammenkünfte in Kirchen und von Religionsgemeinschaften zum Zweck der Religionsausübung sind Hygienekonzepte aufzustellen und der besonderen Infektionslage anzupassen.

Diese Maßnahmen gelten für unsere Stunden, Gottesdienste, Bibelstunden (also sämtliche Verkündigungsdienste) in unseren Gemeinschaftshäusern:

Inzidenz unter 10 Inzidenz zw. 10 und 35 Inzidenz über 35 Inzidenz > 100/Vorwarnstufe Überlastungsstufe
Kein Mund-Nasen-Schutz erforderlich Kein Mund-Nasen-Schutz erforderlich Mund-Nasen-Schutz abseits des eigenen

Platzes empfohlen

Mund-Nasen-Schutz abseits des eigenen

Platzes erforderlich

Mund-Nasen-Schutz erforderlich
Keine Kontakterfassung erforderlich Keine Kontakterfassung erforderlich Keine Kontakterfassung erforderlich Kontakterfassung erforderlich Kontakterfassung erforderlich
Mindestabstand* empfohlen; Mindestabstand* empfohlen; angepasstes** Hygienekonzept ist Pflicht Mindestabstand* empfohlen, angepasstes** Hygienekonzept ist Pflicht Mindestabstand* und angepasstes**  Hygienekonzept sind Pflicht Mindestabstand* und angepasstes** Hygienekonzept sind Pflicht
Gemeindegesang wird begrenzt. Gemeindegesang max. zwei Lieder, Gesang mit Maske
Abendmahl wie gewohnt unter beiderlei Gestalt (Wandel-) Abendmahl mit Bitte um Verzicht auf Kelch
Notwendige Gremienarbeit ist, angepasst an die Infektionslage, möglich.

* für Personen aus unterschiedlichen Hausständen

** der Infektionslage angepasst. Die Tabelle gibt Auskunft über die erforderlichen Maßnahmen in Abhängigkeit der Infektionslage.

 I.4. Weitere Überlegungen

  • Die Religionsausübung wird nicht untersagt, wenngleich ihr Zugang einer Limitierung und Kontrolle unterliegt. Wir sollten nun erneut überlegen, welche Kreise und Veranstaltungen sinnvollerweise wieder in den digitalen Raum verlegt werden können und welche Treffen unbedingt persönlich stattfinden sollten.
  • Sitzungen von Gremien sind untersagt mit Ausnahme von zwingend gesetzlich vorgeschriebenen Sitzungen, die aus rechtlichen oder tatsächlichen Gründen nicht online durchgeführt werden        können           (hierbei          müssen           dann    auch    g. Kontaktnachverfolgungslisten        ausgefüllt       werden).        Vorstands-     und Ausschusssitzungen können, wenn möglich, auch digital durchgeführt werden. Das betrifft auch die Konventsarbeit.
  • Bei Veranstaltung außerhalb unserer Räumlichkeiten gilt das Hausrecht vor Ort.
  • Seelsorge ist selbstverständlich weiterhin möglich.

II.  Chor / Posaunen / Musikarbeit

Die Musikarbeit des Verbandes ist nun wieder einmal stark leidend! Die Chöre können unter diesen Umständen leider weder proben noch auftreten.

Zur Posaunenarbeit hat Stephan Hoffman am 19.11. ein Rundschreiben versendet und darauf hingewiesen, daß Blasen nur noch im Freien möglich (und sehr erwünscht) ist.

III.  Freizeitheime

Die Durchführung, Öffnung oder Überlassung zu touristischen Zwecken von „kommerziellen und gewerblichen Reisen,“ […] „Beherbergungen“ und „Ferienwohnungen ist untersagt“ (§ 14 CoronaNotVO). Daher mußten unsere Freizeitheime ihren Betrieb vorläufig einstellen.

IV.  Sonstiges

Bei allen Veranstaltungen gilt weiterhin ein angepaßtes Hygienekonzept. Achtet bitte selbst regelmäßig darauf, ob und welche Anordnungen evtl. noch zusätzlich gelten könnten und welche „Stufe“ der „Pandemielage“ für euch in eurem Landkreis / eurer kreisfreier Stadt gilt. Bei Beratungsbedarf kontaktiert den Landesinspektor unter JoergMichel@LKGSachsen.de oder Tel. 0371 515 930.

 

Liebe Geschwister,

mit der nun eingetretenen Situation sehen wir uns erstmals faktisch damit konfrontiert, daß unser Christenleben („Religionsausübung“) zwar nicht untersagt ist, der Zugang zu unseren Zusammenkünften, die unser Christsein charakterisieren und einen untrennbaren Bestandteil dessen bilden, jedoch Einschränkungen und Kontrollen unterliegen. Dies festzuhalten heißt nicht und schon gar nicht automatisch, daß wir den Nächsten und die Gesundheitslage nicht im Blick hätten. Wir haben überzeugend gezeigt, daß wir dies zu leisten willig und fähig sind. Gleichwohl schaue ich skeptisch in die Zukunft. Die Erfahrung zeigt, daß einmal eingeführte Maßnahmen nicht zurückgenommen, sondern eher noch verschärft werden. Möge der Herr uns durch diese und die kommende Zeit führen und behüten.

Holen wir uns also Trost und Kraft aus der Heiligen Schrift, dem Wort des lebendigen Gottes: „Predige das Wort, stehe dazu, es sei zu rechter Zeit oder zur Unzeit; weise zurecht, drohe, ermahne mit aller Geduld und Lehre.“ (2 Tim 4,2) Paulus, in Gefangenschaft und seinem Ende entgegensehend, gibt Timotheus die Weisung, die auch uns gilt. Bleibe bei der Lehre der Apostel! Verkündige sie unverfälscht und laß Dich durch das Toben der Welt nicht beeindrucken. Laß Dich auch durch Zwist und Streit in der Gemeinde nicht beeindrucken! Wende Dich Deinen Nächsten in Geduld und Liebe zu!

So auch wir! Lassen wir uns nicht schon wieder reizen, uns in zwei Lager zu begeben. Halten wir fest und treu zusammen und zeigen Einigkeit unter dem Kreuz unseres Herrn und Heilands Jesus Christus. Bleiben wir „nüchtern in allen Dingen, erdulde[n] die Widrigkeiten, tue[n] das Werk eines Evangelisten, richte[n] [unseren] Dienst redlich aus!“ (2 Tim 4,5). Denn „daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.“ (Joh 13,35). Das mögen die Signale und Zeichen sein, die wir trotz allem Toben der Welt dieser senden wollen.

Mit herzlichen Grüßen, auch im Namen des Vorstands und
Gott befohlen

Jörg Michel
(Landesinspektor)