Sehnsucht nach der offenen Tür

Es hat geklopft. Fast hätte ich es überhört – aber es hat geklopft: Ganz leise, ganz zaghaft, aber nicht zu überhören. Noch ehe ich ein freundliches „Herein“ rufen kann, öffnet sich die Tür meines Büros und jemand fragt ganz leise: „Darf ich reinkommen?“ – „Aber natürlich!“, höre ich mich sagen und denke dabei sofort an all das, was ich eigentlich noch tun wollte und müsste. Aber das ist jetzt egal: Da ist jemand und der ist jetzt wichtig – wichtiger als alles andere.

Das wünscht man sich doch, wenn man an eine Tür klopf oder irgendwo klingelt. Wer möchte schon, dass ihm eine Abfuhr erteilt wird, er draußen bleiben und im Regen stehen muss? Keine Abfuhr, nicht im Regen stehen – das ist der Zuspruch für 2022: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“ (Joh 6,37). Jesus schickt mich nicht weg!

Sag mal, versetzt euch das noch in Staunen? Macht euch das noch sprachlos? Haben wir uns vielleicht schon ein bisschen zu sehr daran gewöhnt: „Jesus, zu dir darf ich so kommen, wie ich bin“? Kann es sein, dass, wenn wir nicht mehr über diese Einladung staunen, sie auch niemandem weitergeben? Oder gar vergessen selbst reinzugehen? Es ist doch normal, das Natürlichste von der Welt: Zu Jesus darf ich kommen. Und weil es so normal ist, übersehe ich es und bleib vor der Tür stehen.

Wenn wir nach diesem Satz der Jahreslosung weiterlesen, kommt noch ein interessanter Gedanke: „Es ist der Wille dessen der mich gesandt hat, dass ich nichts verliere“ (Joh 6,39) Gott will keinen verlieren: Dich nicht, mich nicht und den anderen auch nicht. Besteht diese Gefahr, bei uns – bei mir, bei dir, bei denen die zu uns gehören?

Ich wünsche uns, dass Jahreslosung uns richtig ergreift. Ich wünsche mir, dass unter uns eine Sehnsucht entsteht, die Türen öffnet: Für Menschen, die ein Zuhause suchen, für Schwestern und Brüder, die vielleicht anderer Meinung sind als ich, für die, die immer übersehen werden.

Wenn Jesus sagt, er wird keinen hinausstoßen, müssen wir das als sein Leib sichtbar und erlebbar machen. Die Jahreslosung ist eben nicht nur Zuspruch, sondern Losung, Kennwort und Parole, an der man sich erkennt. Wenn das 2022 die offene Tür an deinem und meinem Herzen wäre – das wäre fantastisch!

 

Ein gesegnetes Neues Jahr

 

euer Reinhard Steeger

Vorsitzender des Sächsischen Gemeinschaftsverbands

 

 

 

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Bildnachweis: SunflowerGUY| pixabay.de