„Alles gut!“ – Diesen Satz sage ich sehr oft. Neulich habe ich herausgefunden, dass dieses „Alles gut“ in unsere Zeit passt. Trendforscher behaupten, mit dieser schnellen Antwort ohne Inhalt will man von sich ablenken. Aber mich begleitet der biblische Gedanke: „Gott gedachte, es gut zu machen“ (1Mo 50, 20b). So erlebe ich es: Nur ohne die Höhen und Tiefen, wie sie in Josefs Leben integriert waren.

Manches dabei ist sicher Gemütsverfassung, die mir in die Wiege gelegt wurde. Ich kann Dinge für mich als positiv wahrnehmen. Mir ist wichtig, dass ich das, was ich habe, schätze. „Alles gut“, das denke ich auch in Bezug auf meinen Status als Alleinlebende. Und das, obwohl die Bibel sagt: (nachdem immer wieder kam: „… und es war gut“ – nun zum ersten Mal!) „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist“ (1Mo 2, 18). Viele Jahre und Seiten der Bibel später schwärmt dann Paulus: „Es ist besser, wenn man allein ist.“ (vgl. 1Kor 7,38). „Besser“ ist ja sogar noch die Steigerung von „gut“!

In diesem Spannungsfeld zwischen „Gut“- und „Nicht-Gut“-Sein lebe ich als Single – die Verheirateten aber auch. Ich bin dankbar, dass ich das Gute sehen kann: Ich habe einiges an persönlichen Freiheiten. Viele Entscheidungen kann ich treffen, ohne auf jemanden Rücksicht zu nehmen. Ich kann immer ganz da sein, wo ich bin. Ich kann spontan handeln und mit leichtem Gepäck leben. Ich lebe in einer Gesellschaft und einer Zeit in der es viele Alleinlebende gibt und viele Dienstleistungen zur Verfügung stehen. Ich kann auch innerhalb von Gemeinde großzügig mit meiner Zeit agieren. Manche Sorgen und Nöte habe ich nicht. Und was ich nicht kenne, kann ich auch nicht wirklich vermissen.

Eine ältere Gemeinschaftsschwester sagt öfters mal zu mir: „Karin, wenn du verheiratet wärst, könntest du viel Geld sparen …“ Manchmal fällt auch die Bemerkung: „Du hast es ja nie gelernt, für jemanden Verantwortung zu übernehmen“. Ja, manche Reibungsflächen, die zur Persönlichkeitsbildung wichtig sind, fehlen mir tatsächlich. Um nicht alleine zu reisen oder zu wandern braucht es gute Planungen.

Wie in jedem Lebenslauf hat auch der Stand des Alleinlebens unterschiedliche Phasen: Als ich in dem Alter war, in dem meine Freunde so nach und nach heirateten und mit der Familiengründung begannen,

habe ich die zweite Ausbildung angefangen. Anschließend war ich beruflich sehr beschäftigt. Die meisten Wochenenden war ich im Einsatz. Ich vermisste nicht wirklich etwas. Dabei ist sicher die Tatsache, dass ich beruflich immer mit vielen Menschen zu tun hatte und ich auch Teil einer Gemeinde oder einer Dienst-Gemeinschaft war, ein echtes Geschenk. Auf Einladungen und Briefe, „… dass da einer wäre, der auch fromm wäre und …“ hab ich nie wirklich reagiert – und es auch nicht bereut. So bin ich in das Alleinleben hineingewachsen.

Immer wieder gab es neue Herausforderungen: Umzüge. Neue Leute, auf die ich mich einlassen musste. Ich war beschäftigt, ausgelastet, hatte meine Freude am jeweiligen Einsatz. Ich konnte immer wieder sehen: Da bin ich von Gott hingestellt. Ja, ich bin alleine. Die Personen meiner Ursprungsfamilie sind so weit weg, dass man nicht mal schnell zu einem Spontanbesuch vorbei kommt. Wenn sie beispielsweise in Familie Geburtstag feiern, bin ich nicht dabei. Das heißt auch, für mich ist es unüblich, persönliche Feste in Familie zu

feiern.

Natürlich brauche ich andere Menschen. Ich muss bewusst auch darauf achten, dass ich gute freundschaftliche Beziehungen lebe. Bei mir sind das Personen, die wechseln.

Echt schwierige Situationen habe ich bisher nicht erlebt. Dafür bin ich dankbar. Ich weiß, dass Zeiten kommen werden, in denen ich nicht mehr „automatisch“ mit Menschen zu tun habe. Da werden neue Fragen auftauchen: So braucht man beispielsweise für ein neues Konto oder eine Patientenverfügung

eine Vertrauensperson.

Manchmal muss ich schmunzeln, wenn Telefongespräche damit enden, dass mir jemand sagt: „… euch auch alles Gute!“ Dieses „euch“ gibt es ja nicht. Aber es gibt Überlegungen für ein gemeinsames Projekt einer Wohn- und Dienstgemeinschaft für Alleinlebende. Beim Spazierengehen, beim Autofahren, beim Essen, bei den Dingen, die andere oft gemeinsam tun, kann ich mit meinem Schöpfer solche Dinge bereden und Danke sagen für viel Gutes!

 

Karin Hezel

Ebersbach

Gemeinschaftspastorin

 

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