„Was können wir von Brasilien lernen?“

Bericht vom Missionstag der Gnadauer Brasilienmission

Unter diesem Thema fand der Missionstag der Gnadauer Brasilien Mission (GBM) am 02.10.2022 in der Landeskirchliche Gemeinschaft in Brand-Erbisdorf statt.

Man hatte sich entschlossen, den Vortrag über die Gnadauer Gemeinschaftsarbeit in Brasilien (MEUC) am Tag des Erntedankgottesdienstes zu halten. So war der Saal der LKG von den Gottesdienstbesuchern gefüllt und der Altarraum mit den Gaben zum Erntedankfest geschmückt worden.

 

„Vergiss nicht zu danken!“

Mit diesem Satz begann Gottfried Holland, Missionsinspektor der GBM, die Predigt über einen Abschnitt aus Dtn 8,7-18. Es gibt Krisen über Krisen: Die Bankenkrise, die Umweltkrise, die Coronakrise, die Ukrainekrise, die Wirtschafts- und Finanzkrise, die Energiekrise usw. Man könnte sagen, dass wir im permanenten Krisenmodus leben. Und dann die Aufforderung „Vergiss nicht zu danken“?!? Das Volk Israel war noch in der Wüste, als Mose diese Rede hielt. Moses Blick aber geht nach vorne! Es kommt das Land, in dem Milch und Honig fließen. Deshalb gab Bruder Holland drei Punkte weiter:

  • Erstens: Gott führt – danke ihm dafür, dass wir trotz der Situation genügend zu Essen, die Möglichkeit von Schulbildung, einer Arbeitsstelle, eines Rechtsstaats, von Familie und Gesundheit haben.
  • Zweitens: Gott danken durch unser Leben. Wir dürfen dankbar werden, dass wir sein Wort haben damit auch seinen Willen kennen.
  • Drittens: Gott danken für die Ewigkeit. Israels Ziel war nicht die Wüste, sondern das verheißene Land, in dem Milch und Honig fließen. Unsere Hoffnung und unser Ziel ist die Ewigkeit. Wir warten auf den Tag, an dem Jesus Christus wiederkommt und diese Welt neu schaffen wird. Kein Leid, kein Geschrei, kein Krieg und keine Krankheit wird es mehr geben, denn er will alle Tränen abwischen! (Offb 21,4).

 

Von Brasilien lernen

Nach dem Gottesdienst gab es eine kurze Pause für Kaffe, Tee und Kekse. Danach begann der Vortrag „Was können wir von Brasilien lernen?“. Bruder Holland betonte verschiedene Punkte:

  • Die Gnadauer Gemeinschaftsarbeit in Brasilien (MEUC) bietet Gottesdienste und Programme auf Portugiesisch, was vorher alles auf Deutsch stattfand.
  • Die MEUC hat sich bewusst entschieden, in der Kirche zu bleiben.
  • Die MEUC fokussiert sich auf die 3 Säulen des Pietismus Zurüstung, Evangelisation und Diakonie.
  • Die MEUC versucht, alle Altersgruppen der Gemeinden anzusprechen.
  • Die MEUC hat eine eigene Ausbildungsstätte in São Bento do Sul, Brasilien: Die Faculdade Luterana de Teologia (= FLT Fakultät für Lutherische Theologie) Dort werden die Missionare der MEUC und auch Pfarrer der evangelischen Kirche in Brasilien theologisch ausgebildet. Dadurch werden theologische Themen bereits während des Studiums thematisiert und diskutiert, damit dies im Arbeitsleben nicht zu Herausforderungen führt.

 

Unterschiede zwischen Brasilien und Deutschland

Ervin Dräger, Gemeinschaftspastor des Bezirks Plauen und gebürtiger Brasilianer, benannte konkrete Unterschiede zwischen Brasilien und Deutschland. Diese Verschiedenheiten sind zu beachten. Aber ganz unabhängig von diesen ist es in jedem Fall das Ziel, Nachfolger für Jesus zu gewinnen.

Eine wichtige Veränderung hat sich im Verhalten der Missionare ergeben. Früher kopierten sie die Kultur ihres Ursprungslands im jeweiligen Missionsland. Heute hingegen werden die Menschen in Brasilien als Brasilianer angesprochen. Und genauso müssen die Deutschen als Deutsche angesprochen werden.

Ein weitere Unterschied zwischen Brasilien und Deutschland besteht für Ervin Dräger darin, dass Gemeinden in Deutschland den Dienst der Diakonie und der Seelsorge weithin vergessen und damit vom Gemeindedienst getrennt haben. Beides ist für Gemeinschaften hierzulande eher der Ausnahme- als der Regelfall. In Brasilien hingegen ist das anders. Davon können Gemeinden in Deutschland lernen.

 

Begleitet wurden die beiden Referenten von Annette Holland und Enora Dräger.  Zur Unterstützung waren außerdem Daniela Pereira mit angereist. Sie ist Theologiestudentin der FLT und absolviert zurzeit ein Auslandssemester an der Internationalen Hochschule in Bad Liebenzell. Sie sprach über den Aufbau und die Organisation des Studiums an der FLT.

 

Ervin Dräger, Plauen

Gemeinschaftspastor

 

 

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Bildnachweis: dodo71 | pixabay.de