Es ist „den Menschen bestimmt, einmal zu sterben, danach aber das Gericht“, so heißt es im Hebräerbrief (9,27). Neben der Unausweichlichkeit des Todes betont die Bibel klar eine Letztverantwortung aller Menschen vor Gottes Gericht. Darin werden alle Menschen aller Zeiten Gott Rechenschaft über ihr Leben geben müssen. Dann wird er das letzte Wort über sie sprechen. Und wenn wir in unseren Gottesdiensten das Apostolische Glaubensbekenntnis sprechen, erinnern wir uns daran: „Christus wird wiederkommen, zu richten die Lebenden und die Toten.“

 

Unmissverständliche Rede von eindeutigem Zeugnis

Stellt sich die Frage: Wird dieses letzte, göttliche Urteil zu einer endgültigen Trennung von „Geretteten“ und „Verdammten“ führen? Der biblische Befund ist an dieser Stelle eindeutig. Eine Fülle von biblischen Aussagen lassen keinen Zweifel am doppelten Ausgang des Gerichts. Jesus (Mt 12,36.37; 25,41.46), die Briefe der Apostel (Röm 2,5–10; 2 Petr. 3,7; Jak 4,12) und auch die Offenbarung des Johannes (Offb 20,11–15) sprechen davon.

Es ist eben nicht wahr, dass der richtende Gott nur im Alten Testament zu finden sei. Es gehört zu den persönlichen und theologischen Eigenmächtigkeiten, wenn wir die Aussagen der ganzen Bibel über „gerettet sein“ und „verloren gehen“ übergehen, um Menschen die Gewissheit eines versöhnlichen Endes zu vermitteln. Wenn aber die Bibel unmissverständlich vom „Tag der Verdammnis“ (2 Petr 3,7) spricht und Jesus vor dem „breiten Weg, der zur Verdammnis führt“ (Mt 7,13.14) warnt, dann dürfen Christen die Gewissen der Menschen nicht mit falschen Zusicherungen beruhigen. Wir haben alle Menschen daran zu erinnern, dass sie einmal vor Gott knieen (Röm 14,10–12; 2 Kor 5,10) werden und Rechenschaft über ihr Leben geben müssen. Und wir müssen ihnen Auskunft darüber geben, wie sie im Endgericht vor Gott bestehen können.

 

Kriterium „Jesus“

Damit sind wir bei der zweiten Frage, die sich aufdrängt: Nach welchen Kriterien wird Gott sein Urteil über uns sprechen? Der überwältigende Teil der biblischen Texte spricht davon, dass das Schicksal aller Menschen sich an der Stellung zu einer Person, dem Christus Jesus, entscheiden wird. Paulus schreibt knapp: „für die, die mit Jesus Christus verbunden sind, gibt es keine Verurteilung mehr.“ (Röm 8,1) und Johannes ergänzt: „Wer an ihn glaubt, wird nicht verurteilt. Wer aber nicht glaubt, ist damit schon verurteilt; denn der, an dessen Namen er nicht geglaubt hat, ist Gottes eigener Sohn.“ (Joh 3,18).

Wer Jesus Christus sein Leben anvertraut und glaubt, dass er durch seinen Tod am Kreuz die Strafe Gottes auf sich genommen und für uns Menschen das Gericht über die Sünde aller Menschen erduldet hat, der muss Gottes Endgericht nicht fürchten. Er hat es schon hinter sich und hat jetzt schon das ewige Leben (Joh 3,36; 5,24). Keine Chance haben die, die sich vor Gott auf ihre Taten oder ihre moralische Integrität berufen wollen. Bei denen, die nach ihren Taten gerichtet werden, heißt es ohne Ausnahme: „Gewogen – und zu leicht befunden!“ (Dan 5,27) Sie bleiben vom neuen Leben und Gottes neue Welt ausgeschlossen. Das ist die Hölle.

Weil sich an der Person des Christus Jesus unser ganzes Leben und unsere Zukunft entscheidet, deshalb evangelisieren wir. Wir laden Menschen, die Jesus Christus noch nicht als ihren Herrn bekennen, ein. Wir stellen ihnen Jesus vor Augen, erklären ihnen, was er für uns getan hat und laden zum Glauben an ihn ein. Wir „bitten stellvertretend für Christus: Lasst euch versöhnen mit Gott!“ (2 Kor 5,20) Noch ist Zeit zur Umkehr!

 

Gute Predigten, denen etwas fehlt

Deshalb ist es katastrophal, dass heute kaum noch über das Gericht gepredigt wird. Wann haben Sie, verehrter Leser, die letzte Predigt über Gottes Gericht, über „gerettet sein“ und „verloren gehen“, über Himmel und Hölle gehört? Wo werden den Menschen die ernsten Worte über das Endgericht Gottes zugemutet? Fürchterlich, dass Gott in vielen Verkündigungen zum „lieben Gott“ degradiert wird, der niemandem etwas zuleide tut, der über allen Dreck hinwegsieht, der niemanden beunruhigt und alle irgendwie in den Himmel bringen wird.

In einem Aufsatz des Essener Jugendpfarrers Wilhelm Busch in den 1950er Jahren stellte er die Frage: „Was fehlt denn unserer Predigt, die so gut und so sicher und so zeitnah ist – und die trotz aller Bemühungen am Menschen vorbeiredet und keine Bewegung schafft?“ Er selbst antwortet darauf: „Dieses fehlt ihr: Es fehlt in ihr die Angst, dass Hörer und Prediger in die Hölle kommen könnten.“

 

Gunder Gräbner

Chemnitz

Evangelist des Sächsischen Gemeinschaftsverbandes

 

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Bildnachweis: danielkirsch | pixabay.de