Sonntags im SGV
An Sonntagen bin ich häufig in verschiedenen Orten in unserem Bezirk unterwegs. Klar, das gehört zu meinem Job. Dabei erlebe ich eine große Bandbreite, wie man die „Stunde“ ausfüllt. Im Folgenden ein paar meiner Beobachtungen:
Da gibt es die Gemeinschaften, in denen mindestens neun Menschen im Ablauf involviert sind. Ein bis zwei Leute sitzen an der Technik, zwei und mehr Leute machen das Kinderprogramm, einer moderiert den Gottesdienst, einer predigt, einer oder mehrere machen Musik, jemand begrüßt an der Tür und nicht zuletzt kümmern sich zwei um Kaffee und saubere Tassen. Was für eine große Manpower! Für die Beteiligten scheint das völlig normal zu sein. „Es ist eben jeden Sonntag so.“ Dann gibt es Gemeinschaften in unserem Werk, da gibt es eine Einleitung, Abkündigungen der Termine, eine Predigt und zwei bis drei Lieder. Manchmal mit dem Klavier begleitet, manchmal mit dem CD-Player. Kürzer und weniger Mitarbeiter-intensiv als die erste Variante.
Dass es diese beiden Arten der Gemeinschaften bei uns gibt, ist kein Problem. Bei beiden spürt man das Herz dahinter. Alle lieben ihre Gemeinschaft im Ort.
Wenn ich allen Gemeinschaften, die ich besuche (egal welcher Form und Größe) eine Frage stellen dürfte, würde sie wahrscheinlich so oder so ähnlich lauten:
Fragt ihr Gott in regelmäßigen Abständen, was er von euch als Gemeinschaft möchte und dient eure Gemeinschaftsstunde/euer Gottesdienst diesem seinem Willen?
Das ist keine Frage aus purer Neugier heraus, sondern eine, die zum Nachdenken anregen soll. Wenn ich persönlich der Frage nach-denke, kommen mir noch ein paar mehr Fragen:
Wie finden wir den Willen Gottes heraus? Was ist, wenn uns nicht gefällt, was er will? Wie sollen wir umsetzen, was uns nicht liegt? Wir sind viel zu wenige, was soll man da tun? Ich möchte kein Defizit suchen, um dann die Geschwister aus einem schlechten Gewissen heraus zum Handeln zu bewegen. Das ist selten ein guter Antreiber.
Vielleicht wäre es ein guter Ansatz, die Menschen in der eigenen Gemeinschaft zu fragen, wofür Ihnen das Herz brennt, wenn sie an Gottes Leib denken.
Schreibt euch das mal auf! Viel zu viele waren mal begeistert bei dem Gedanken Gemeinde zu bauen und sind in dem Trott von „Das haben wir schon immer so gemacht“ verstummt. Man könnte gleichzeitig seinen Bezirksprediger darum bitten, eine Predigtreihe zu erstellen mit Bibeltexten, die den Willen Gottes für seinen Leib herausarbeiten. Sicher finden sich einige Verkündiger, die einen Teil der Reihe mit ausarbeiten, weil es sie selbst interessiert. Wenn man dann sieht, dass man in einigen Bereichen schon viele Jahre nichts ausprobiert hat, passt vielleicht das brennende Herz des einen oder anderen genau dazu. Und um Oliver Ahlfeld vom Gnadauer Verband zu zitieren: „Dann probiert mutig aus“ und ich ergänze: und setzt ihn oder sie dafür frei! Gemeinschaft leben und bauen kann nicht statisch in richtig oder falsch eingestuft werden (auch wenn es durchaus wichtige biblische und in unserer Satzung festgehaltene Richtlinien gibt). Man kann jedoch in seiner Komfortzone versinken und es sich gemütlich machen. Nur fragt man dann eben nicht nach dem Willen Gottes, sondern nach dem eigenen Ergehen.
Ausprobieren und Neues wagen kann man übrigens in und mit jeder Generation. Im Bezirk Zwickau machen das schon einige Ortsgemeinschaften.
Viel Freude und viele Jesus-Momente wünsche ich euch dabei!
Sebastian Schneider
Gemeinschaftspastor Bezirk Zwickau
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Bildnachweis: Gerd Altmann / pixabay.de


