„Unter Gottes Wort kommen wir zur Gemeinschaftsstunde zusammen…“
So könnte man die Andacht im SGb zum Thema „Gemeinsam Gott begegnen“ beginnen. Mach ich aber nicht!
Ich schaue mir lieber die Menschen an, die hier zur Gemeinschaftsstunde zusammentreffen. Ein paar kenne ich nur teilweise, manche ganz gut, andere habe ich noch nie gesehen.
Hinten links sitzt das Ehepaar im letzten Lebensdrittel. An ihrer Seite ihr erwachsenes behindertes Kind. Ganz selbstverständlich und mit aller Liebe sind sie seit Jahrzehnten für ihr Kind da. In der Reihe davor hat der Geschäftsführer eines größeren Unternehmens zusammen mit seiner Frau Platz genommen. Er hat in seinem Leben viel gewagt und eingesetzt, hat manches gewonnen, aber auch verloren. Er trägt Verantwortung für viele Mitarbeiter und deren Familien. Schräg gegenüber sind noch anderthalb Reihen frei. Dort sitzt eigentlich die Familie mit mehreren Kindern, aber die kommen immer zu spät und wir fangen schon mal an. Hinter mir sitzt eine alleinstehende Person. Man sieht ihr an, dass es ihr schwerfällt die grundlegenden menschlichen Bedürfnisse zu verantworten. Man riecht ihre Gegenwart! Einige andere haben sich noch eingefunden und neben mir sitzt der schon älter gewordene Gemeinschaftsleiter, der sich seit Jahren fragt: Wem soll ich die Verantwortung für diese Gruppe übertragen?
Das, was hier geschieht, ist ein Wunder.
Menschen aus unterschiedlichen sozialen Schichten, Generationen und Situationen kommen zusammen. Sie kommen unter Gottes Wort, nehmen Anteil aneinander und lassen sich wieder senden.
Äußerer und Innerer Gottesdienst bleiben hier bei allen Fragen beieinander.
Im Propheten Amos wird beschrieben, wie diese Art Gottesdienst auch kaputt gehen kann. Wenn die „Armen“ in der Gruppe benachteiligt werden und jeder nur auf sich sieht, dann wird aus den gesungenen Liedern Lärm und aus den Opfern Gestank. Dann ist es notwendig, dass wir den Monatsspruch für Juli für unsere Situation hören.
„Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.“ (Amos 5,24)
Gemeinsam Gott begegnen. Ein großes Geschenk. Sei es der wöchentliche oder der alltägliche Gottesdienst.
In Jesus verbunden
Euer Falk Schönherr
Vorsitzender des Sächsischen Gemeinschaftsverbandes
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