… die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden. Jesaja 40,31

Fliegen zu können, ist ein alter Menschheitstraum und ich staune immer wieder, dass es wirklich funktioniert. Allerdings geht das nicht ohne Hilfsmittel und technische Voraussetzung. Wenn ich es mit eigener Kraft versuche, gelingt mir das auch – leider nur in eine Richtung. Erbarmungslos zieht mich die Schwerkraft nach unten. Nicht nur in diesen Tagen gibt es eine ganze Menge von Nachrichten und Lebenslagen, die uns nach unten ziehen.
Die Angst vor einer möglichen Infektion lähmt viele Menschen geradezu. Und auch die Sorge um liebe Menschen, die vielleicht zur Risikogruppe gehören, lastet schwer auf uns. Solche Schwerkräfte gehören zu unserem Leben dazu. Und sie sind auch notwendig, damit wir die Bodenhaftung nicht verlieren. Allerdings machen sie auch müde. Und mit der Müdigkeit kommt oft auch die Mutlosigkeit. Wir merken, dass unsre eigenen Kräfte sehr begrenzt sind und dass manche Ziele in immer unerreichbarere Ferne rücken.

Was kann uns beflügeln? Manchmal ist es die Vorfreude auf ein Fest, auf ein Wiedersehen, auf eine Reise oder vielleicht nur die Aussicht auf ein schmackhaftes Essen, was uns die Schwere des Lebens für Augenblicke vergessen lässt und uns neu lebendig macht. Die Situationen können ganz verschieden sein, aber es ist immer etwas, das außerhalb von uns selbst liegt. Etwas, das wir nicht in der Hand haben, nachdem wir uns aber ausstrecken und worauf wir mit großer Gewissheit zu leben.

Es ist die Hoffnung, die uns beflügelt.
Mir gefällt das etwas sperrige Wort in der Lutherbibel: „Harren“. Es meint nicht einfach warten. Es ist die gespannte Erwartung. Um etwas zu spannen braucht es immer 2 Festpunkte. Der eine Festpunkt ist mein Leben mit allen Erwartungen und Sehnsüchten. Aber ich werfe das Seil meiner Hoffnung nicht auf ‚gut Glück‘ aus, damit es sich vielleicht irgendwo verfängt. Der zweite Festpunkt ist Gott. Es sind seine Zusagen und seine Heilstaten, die Hoffnung geben. Gott hat in seiner Liebe das Wertvollste für uns eingesetzt. Sein Sohn ist an der Schwerkraft meiner und deiner Schuld zerbrochen. Aber das war nicht das Ende. Petrus hat es wenige Jahre nach der Auferstehung Jesu so beschrieben: „Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus! In seinem großen Erbarmen hat er uns neues Leben geschenkt. Wir sind neu geboren, weil Jesus Christus von den Toten auferstanden ist, und jetzt erfüllt uns eine lebendige Hoffnung.“ (1.Petr 1,3 nach Hoffnung für alle) Petrus war beflügelt von Hoffnung. Die Schwerkraft blieb und sie bleibt auch in unserem Leben. Aber da gibt es einen Festpunkt außerhalb von mir und meinen Möglichkeiten.

Die Botschaft von der Auferstehung Jesu kann auch uns heute beflügeln.

Jonas Weiß, Bautzen