Wie Gott mich nach Indien führte und mein Bild von Mission völlig veränderte
Ich bin Lennya, 19 Jahre alt, und habe von August 2025 bis März 2026 eine Jüngerschaftsschule (Discipleship Training School, kurz DTS) bei YWAM (Jugend mit einer Mission) in Norwegen besucht. Ein DTS besteht aus 4 Monaten intensiver Schulung über die Bibel und den christlichen Glauben sowie 2 Monaten Missionseinsatz in einem anderen Land.
Eigentlich habe ich mich für das DTS entschieden, weil ich meinen persönlichen Glauben vertiefen und Gott besser kennenlernen wollte. Dass automatisch auch ein Missionseinsatz dazugehört, habe ich lange eher ausgeblendet. Durch die Jugendarbeit wusste ich zwar, wo meine Stärken und Schwächen liegen, aber mir vorzustellen, wie Gott mich außerhalb meiner Gemeinde oder dem EC gebrauchen könnte, fiel mir schwer. Ich sah mich nicht als „Missionarin“ – und wollte es ehrlich gesagt auch gar nicht sein. In meinem Kopf war Missionsarbeit etwas Großes, Radikales: Entweder man ist Missionar und lebt für immer irgendwo im Ausland, oder man ist es eben nicht und führt ein ganz normales Leben. Doch diese Vorstellung passte nicht zu dem, was ich mir eigentlich wünschte: ein Leben mit und für Jesus – und gleichzeitig einen normalen Beruf, ein Zuhause in Deutschland, ein Alltag, der trotzdem Gott ehrt. Ich war überfordert und dachte, mein Glaube sei zu klein, mein Wissen zu wenig und mein Leben zu normal, um jemals für Mission in Frage zu kommen.
Als wir im Oktober unser Einsatzland erfuhren, konnte ich diesem Thema nicht länger ausweichen. Für mich sollte es nach Indien gehen – ein Land, das mich nie besonders gereizt hatte und über das ich bisher eher negative Vorurteile gehört hatte. Die Vorstellung, dort zwei Monate zu verbringen, hat mich ehrlich gesagt verunsichert und zweifeln lassen. Doch nach vielen Gesprächen und Gebeten sagte ich schließlich „Ja“. Nicht, weil ich mich plötzlich als Missionarin fühlte oder Indien lieben gelernt hatte, sondern weil ich wusste: Das ist Gottes Plan.
Und wenn er mich sendet, dann hält er mich auch für geeignet – und hat etwas für mich vorbereitet.
Als wir in Indien ankamen, traf mich der größte Kulturschock meines Lebens. Am liebsten wäre ich sofort wieder nach Hause geflogen. Unsere ersten Aufgaben bestanden darin, in einem Kinderheim und einem Kindergarten mitzuarbeiten – eine Arbeit, in der ich mich nie besonders wohlgefühlt habe. Doch immer wieder erinnerte ich mich daran, dass Gott genau hier Aufgaben für mich bereithält. Dass er mich ausstattet mit allem, was ich brauche. Und genau das hat mir Kraft und Freude geschenkt. Mit der Zeit wurde Indien für mich zu einem Ort voller Überraschungen. Ich durfte so viele wunderbare Menschen kennenlernen, neue Kulturen entdecken und unglaublich viel über die weltweite Christenheit, über Missionsarbeit – und über mich selbst – lernen. Heute bin ich Gott so dankbar für dieses Abenteuer. Und ja: Indien habe ich sogar ein Stück lieben gelernt.
Der Missionseinsatz wurde zur prägendsten Zeit meines gesamten DTS. In diesen Wochen durfte ich meine Beziehung zu Gott vertiefen wie nie zuvor.
Ich habe erlebt, wie abhängig ich von ihm bin – und wie gut es ist, sich auf seine Pläne einzulassen. Ich habe gelernt, ihm mehr zu vertrauen als meinen eigenen Vorstellungen.
Missionsarbeit bedeutet nicht, die größten Projekte zu starten, möglichst viele Bekehrungen zu zählen oder ein außergewöhnliches Leben zu führen. Mission bedeutet, Gottes Sendung zu folgen, mutig zu werden durch seine Zusagen und Mission nicht als etwas Unerreichbares zu sehen. Sie kann so unterschiedlich aussehen: in der Dauer, im Ort, in der Art der Arbeit, in den Menschen, denen wir begegnen. Doch eines bleibt immer gleich: Wir tun es gemeinsam mit Gott, um ihm die Ehre zu geben.
Ich möchte dich ermutigen: Lass dich von Gott gebrauchen – gerade in den Bereichen, die du für dich selbst ausgeschlossen hast. Denn oft liegen genau dort seine größten Überraschungen und Erfahrungen bereit. Wenn ich heute zurückblicke, staune ich selbst darüber, was Gott in meinem Leben getan hat. Noch vor zwei Jahren hätte ich mir nicht einmal ansatzweise vorstellen können, längere Zeit im Ausland zu leben oder überhaupt einen Missionseinsatz zu machen. Und jetzt erfüllt es mich mit so viel Freude zu sehen, wie Gott mich geführt, verändert und gebraucht hat. Es ist wunderschön zu erleben, was er aus meinem Leben gemacht hat – und ich bin gespannt, was er noch vorhat.
Lennya Schneider
EC Marienberg
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Bildnachweis: Archiv SGb


