4. Ermutigungsimpuls – KW 18

„Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft.“ Psalm 62,2

In diesem Psalmwort ist von Stille die Rede. Es ist „die Stille zu Gott“ – also nicht eine Stille, die für mich da ist, sondern die die Begegnung mit Gott als Ziel hat.
Bei dieser Stille geht es darum, in Beziehung mit Gott zu treten – mit dem allmächtigen Schöpfer, der in Jesus zu meinem himmlischen Vater geworden ist. Ihm darf ich mich ganz anvertrauen. Ihm darf ich alles sagen. Und vor ihm darf ich still werden. Still sein.
Ich muss ihm nichts vorzeigen. Keine Lösungen präsentieren. Nein, ich darf einfach sein.
In seiner Gegenwart. Und er ist da: Bei mir, in mir durch seinen Geist. Was für ein Geschenk! Welche Gnade! Was für ein Geheimnis – Gemeinschaft zu haben mit Gott …

Vielleicht ist uns diese Art der Stille schon vertraut – und doch können wir sie in dieser Zeit wieder ganz neu für uns entdecken. Ich darf vor Gott zur Ruhe kommen. Meine Seele kann aufatmen. Und ich lasse mich von Gott beschenken. Mit seiner Kraft, Hilfe, Gnade, Liebe, Güte, Fürsorge und so vielem mehr.

Von ihm her darf ich mich sehen, erkennen und annehmen lernen. Ich muss nicht jemand sein, der ich nicht bin. Ich darf schwach sein, hilflos, ängstlich, ratlos, mutlos. Auch wütend und enttäuscht. Und ich darf zu ihm kommen mit meinen Fragen, Sorgen, Zweifeln – mit meiner Verzagtheit, meinem Schmerz, meinem Unverständnis, auch mit meinen Vorwürfen. Und dann darf ich still werden vor Gott, der mein Gott ist. Der mich sieht, in mich hinein sieht, in mein Innerstes – und meine Herzensanliegen auf sein Herz nimmt. Ich darf erleben, dass er als Gott mein guter Vater ist und ich sein Kind bin.

Diese Begegnung, diese Beziehung zu Gott, verändert mich. Ich merke: Gott nimmt mich an, hält mich aus und richtet mich neu aus – mein Herz, meinen Blick, mein Reden und mein Tun – auf ihn hin und auf die Menschen, die er liebt.

Das macht mich aus als Kind Gottes, als Christ. Nicht ich selbst muss tun können, muss wissen, erklären oder mit gutem Beispiel voran gehen. Nein, ich darf Gott tun lassen, seine Souveränität neu anerkennen und mich in seine Hände begeben, die mir Geborgenheit und Liebe vermitteln. Er gibt mir einen Halt in ungewisser Zeit. Das gibt mir Hoffnung – auch über diese Krise hinaus.
Und diese Hoffnung kann ich weitergeben, weitersagen, ja leben. Weil Jesus lebt und bei mir ist. An jedem Tag. Das ist sein Versprechen an mich. Seine Liebe trägt mich durch. Darum darf ich still werden und vertrauen lernen.

Christina Wagler, Hohenstein-Ernstthal