Wir leben in außergewöhnlichen Zeiten. Derartige Einschränkungen hat es so noch nie gegeben: dass das gesellschaftliche Leben zum Stillstand kommt, dass alle Veranstaltungen ausfallen, dass es wochenlang keine Staumeldungen mehr gibt, weil nicht mehr so viel auf den Straßen los ist – das ist befremdlich und ungewöhnlich. Mittlerweile gibt es ja wieder Lockerungen (und auch wieder Staumeldungen), aber es kann noch keine Rede davon sein, dass alles wieder so wie vor Corona ist. Ich möchte drei kurze Gedanken dazu weitergeben, wie ich mit der Situation umgehe.

1) Ich versuche, trotzdem noch das Positive zu sehen. Ich kann mir natürlich immer nur das Negative vor Augen halten, aber dann merke ich, wie es mich regelrecht nach unten zieht. Stattdessen frage ich mich: was hat die derzeitige Lage auch Gutes? Es geht hier nicht um Augenwischerei oder die sprichwörtliche rosarote Brille, sondern um eine Grundhaltung, wie ich mit Herausforderungen umgehe. Ich wurde z.B. gerade vom Bezirk Kamenz in den Bezirk Auerbach versetzt, und da hatte die coronabedingte Entschleunigung auch Gutes: ich durfte langsam in den neuen Bezirk hineinkommen, es gab nicht gleich so viele Eindrücke, ich konnte die Menschen nach und nach kennenlernen, … Ich bin mir sicher, dass es in fast jeder schwierigen Situation auch irgendetwas Gutes gibt.

2) Ich mache mir deutlich: Ich entscheide, welche Nachrichten ich an mich heranlasse und welche nicht. Ich merke: je mehr Nachrichten ich schaue, desto eher neige ich dazu, verunsichert zu sein und mir Sorgen zu machen. Ich kann natürlich von früh bis spät Sondersendungen zu Corona anschauen, mich dann auch noch bei youtube informieren und darüber hinaus noch weitere Informationskanäle anzapfen – ruhiger und gelassener werde ich dadurch aber vermutlich nicht. Mittlerweile handhabe ich es so: Ich schaue Nachrichten, um informiert zu sein – ich schaue aber auch viele Nachrichten nicht, um mich nicht unnötig zu belasten. Vielleicht ist es manchmal besser, nicht so viel zu wissen – nicht aus Ignoranz, sondern aus Selbstschutz.

3) Ich versuche die derzeitige Situation nicht zu bagatellisieren, aber auch nicht überzubewerten. Sie pauschal zu bagatellisieren verbietet sich mir angesichts vieler Expertenmeinungen und der Bilder aus Spanien oder Italien. Ich möchte sie aber auch nicht überbewerten und als eindeutiges Zeichen der Endzeit ansehen oder irgendwelche gesellschaftlichen, politischen oder gar teuflischen Mächte dahinter sehen, die ihr Unwesen treiben. Endzeit haben wir theologisch gesehen seit Jesus – und dass die Wiederkunft Jesu kurz bevorsteht, haben Menschen zu allen Zeiten gesagt; da habe ich heute meines Erachtens nicht mehr Grund dazu, das zu behaupten, als Menschen am Ende des 2. Weltkrieges. Für mich sind Krankheiten einfach ein Zeichen der Vergänglichkeit dieser Welt, mit der ich lernen soll, umzugehen; sie sind Ausdruck der Hinfälligkeit des Menschen. Das hilft mir, in die Situation nicht übermäßig viel hineinzudeuten oder sie über Gebühr zu theologisieren. Insofern mahnt mich Corona auch im Sinne von Ps. 39,5: „Herr, lehre mich doch, dass es ein Ende mit mir haben muss und mein Leben ein Ziel hat und ich davonmuss.“

Andy Marek, Auerbach