„Wenn die wüssten, was ich für einen Beruf habe …“
Es ist Jahre her und so richtig gern erinnere ich mich nicht an diese Situation. Wir hatten Urlaub. Mit zwei kleinen Kindern verbrachten wir die Tage und ich wollte eine Menge sehen und die Zeit ausnutzen.
So ging es an einem Tag mit dem Auto zum nahgelegenen Bahnhof, dann mit dem Zug nach Rostock, von dort aus per Fuß in die Stadt, dann alles wieder zurück und das bei hochsommerlichen Temperaturen… Das Ergebnis: Es war zu viel!
Als wir mit dem Zug an dem Wald- und Wiesenbahnhof wieder ankamen, wollte ich unsere Söhne in die Kindersitze setzen und anschnallen. Der jüngste bockte und schrie los. Er wehrte sich mit Händen und Füßen gegen diesen Kindersitz. Dann verlor ich die Nerven habe ebenfalls geschrien und mit aller Kraft das Kind in den Sitz gedrückt. Danach geschahen zwei Dinge, die sich bei mir eingebrannt haben.
Zum einen schaute ich zu unserem ältesten Sohn, der daneben saß. In seinem Blick erkannte ich eine Angst vor seinem eigenen Vater.
Zum anderen hörte ich jemand Fremden bei geöffneter Wagentür von außen rufen: „Hey, bleib mal ruhig…!“ Keine Ahnung, wer das war, aber der Inhalt war deutlich. „Wenn die wüssten, was für einen Beruf ich habe …“
Diese Ausgabe des SGb steht unter der Überschrift: „fromm (v)erzogen“. Gerade im Umgang mit denen, die wir lieben und die uns am nächsten stehen, klaffen frommer Anspruch und erlebte Wirklichkeit mitunter weit auseinander.
Die Gnade Jesu, Schulderkenntnis und die Annahme von Vergebung dürfen in diesen engsten Beziehungen Raum gewinnen.
Dazu soll dieses Heft helfen.
In der damaligen Situation hätte mir womöglich der Monatsspruch für September weitergeholfen:
„Besser eine Hand voll mit Ruhe als beide Fäuste voll mit Mühe und Haschen nach Wind.“ Prediger 4, 6
Auch wenn es in dem Vers eher um den Arbeitseifer geht als um die eigenen Kinder, die Grundhaltung ist dieselbe: Ich wollte zu viel und unsere Kinder mussten es ausbaden. Wie gut tut es bei dem Thema Erziehung die Perspektive des Wortes Gottes einzunehmen:
„Kinder sind ein Geschenk des HERRN; …“ (Ps 127,3).
Und über Geschenke darf ich mich freuen.
In Jesus verbunden
Euer Falk Schönherr
Vorsitzender des Sächsischen Gemeinschaftsverbandes
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Bildnachweis: Bild von Gerd Altmann auf Pixabay


