Ein Gottesdienst im Rhythmus des Evangeliums
Wie kann ein Gottesdienst aufgebaut sein, der Gott ehrt und Menschen in seine Gegenwart führt? Philipp Bartholomä (Professor für Praktische Theologie an der FTH Gießen) hat ein Gottesdienstkonzept entwickelt, bei dem der gesamte Ablauf bewusst am Evangelium ausgerichtet ist.
Statt einer „zufälligen“ Abfolge von Liedern, Gebeten und Predigt folgt der Gottesdienst einer Struktur, die sich an den zentralen Elementen der biblischen Heilsbotschaft orientiert: Gottes Heiligkeit, unsere Sünde, Christi Erlösung und unsere Antwort im Glauben. So erlebt die Gemeinde das Evangelium nicht nur in der Predigt, sondern im gesamten Ablauf:
1. Anbetung:
Der Gottesdienst beginnt mit der Begegnung mit Gott als heiligem Schöpfer und gnädigem Herrn. Durch Lieder, Psalmen oder eine Schriftlesung richtet sich der Blick ganz auf Gottes Wesen. Die Gemeinde wird daran erinnert, dass Gott heilig, souverän und gut ist. Die Struktur selbst erzählt die Geschichte von Gottes Rettung.
2. Bekenntnis:
Im Licht von Gottes Heiligkeit wird die eigene Sündhaftigkeit und die Zerbrochenheit der Welt sichtbar. Dieser Abschnitt lädt zur Buße und Klage ein, etwa durch Gesetzestexte, Klagepsalmen oder eine gemeinsame Beichte. So wird deutlich: Ohne Christus sind wir verloren.
3. Erneuerung:
Im Zentrum steht die Zusage der Vergebung durch Jesu Leben, Sterben und Auferstehen. Elemente können der Zuspruch der Vergebung (z. B. 1. Joh 1), Erlösungslieder, eine christuszentrierte Predigt sowie das Abendmahl als sichtbares Zeichen des Evangeliums sein.
4. Hingabe und Sendung:
Der Gottesdienst endet mit Dank, Fürbitte und dem Segen. Die Gemeinde wird gestärkt in den Alltag gesandt, getragen von der erfahrenen Gnade Gottes.
Für mich ist Bartholomäs Ansatz theologisch überzeugend und praktisch hochrelevant für Gemeinden. Ein am Evangelium orientierter Gottesdienst macht die zentrale Botschaft des christlichen Glaubens sichtbar.
Die Struktur selbst erzählt die Geschichte von Gottes Rettung.
Gleichzeitig bleibt Raum für unterschiedliche Formen und kulturelle Ausdrucksweisen. Entscheidend ist, dass Inhalt und Ablauf gemeinsam auf Christus hinweisen.
Mehr zum Thema gibt’s in dieser Podcastfolge mit Prof. Bartholomä: www.youtube.com/watch?v=9Cir2OuOl_U
Marcus Ziegert
Gemeinschaftspastor Bezirk Werdau
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Bild von Sebbi Strauch auf Pixabay



