Auf den Zusammenhang kommt es an

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Da komm ich in eine Streitsituation unserer Kinder hinein. Es wird laut debattiert und diskutiert. Mitunter sitzt schon jemand heulend in der Ecke. Natürlich kann ich schnell ein Machtwort sprechen und versuchen für klare Verhältnisse zu sorgen. Aber wie oft lag ich falsch in meiner Deutung des Streites und musste später einsehen: Mir fehlte der Zusammenhang …

Da trifft eine Person in meinem Umfeld eine nicht nachvollziehbare Entscheidung. Ich würde das anders entscheiden und angehen. Natürlich kann ich schnell meine Meinung dazu sagen, mich mit Anderen austauschen und mein Bild bestätigen lassen. Aber wie oft kenne ich nur die halbe Geschichte und muss später einsehen: Mir fehlt der Zusammenhang …

Da lesen wir im Monatsspruch für Januar: „Junger Wein gehört in neue Schläuche.“ (Mk 2,22) Schnell kann ich dieses Wort mit meiner Auffassung bestätigen und dazu aufrufen, alte Zöpfe abzuschneiden und alles neu und besser zu machen. Ich halte kurz inne und frage: Was sagt der Zusammenhang?

Zwei große Linien finden sich im Zusammenhang dieser Bibelstelle. Da ist zum einen diese fortwährende Konfliktgeschichte zwischen der damaligen religiösen Führungsschicht und Jesus. Wie kann dieser Jesus Vergebung zusprechen? Wie bringt er es fertig mit „falsch lebenden Zeitgenossen“ zu essen? Warum ermutigt er seine Jünger nicht zu fasten und wie kann er am Sabbat heilen? Das Urteil steht fest: Dieser Jesus passt nicht in die geltenden Formalien. Er ist anmaßend. Er muss weg!

Zum anderen ist da die anbrechende Heilsgeschichte in der Konfliktgeschichte. Ein ehemals Gelähmter geht von Sünde befreit seinen Weg. Der Zöllner Levi geht hinter Jesus her und liegt später mit ihm am Tisch. Jesus bezeichnet seine Schüler als Hochzeitsgäste und der Sabbat wird zum Heil und zur Heilung für Menschen.

Ich lerne aus dem Zusammenhang, dass sich diese alte und junge Linie nicht miteinander vertragen. Jesus geht es um dein Heil und deine Rettung.
Ich lerne im Zusammenhang des Textes, wie uns die Lehre und Liebe Jesu herausführt aus gesetzlichen Zwängen hin zu seiner befreienden Liebe.
Auf den Zusammenhang kommt es an…

„Lasst euch in allem, was ihr tut, von der (seiner) Liebe bestimmen.“

 

Euer Falk Schönherr

Vorsitzender des Sächsischen Gemeinschaftsverbandes

 

 

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Bildnachweis: Rémi Boussico – pixabay.de